Zurück   Startseite   Druckversion 16. August 2004

Der bosnische Künstler Numan Huseinbegovic arbeitet in Kleinsassen an einem besonderen Porträt von Fritz Kramer

Kramers Charakter in einer Büste

Von Volker Nies

Hofbieber-Kleinsassen. Die Idee war Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation Kleinsassen, in der vergangenen Woche spontan gekommen: Der bosnische Bildhauer Numan Huseinbegovic (50), der zum Jubiläum "25 Jahre Kunststation" eingeladen war und für einige Wochen in Kleinsassen lebt und arbeitet, könne zwei Büsten schaffen - eine vom Gönner der Kunststation, Landrat Fritz Kramer, und eine von ihm, Ballmaier.

"Vorher war noch nie ein Künstler in der Kunststation, von dem ich sofort gesagt hätte, er könne solche Bösten modellieren", erläutert der Kunststation-Leiter. Ballmaier machte Fotos vom Landrat und brachte sie Huseinbegovic. Dieser besaß aber schon einen persönlichen Eindruck der beiden Porträtierten: Der in Mostar geborene Künstler hat bereits von 1992 bis 2000 in Kleinsassen gearbeitet, davon vier Jahre lang mit einem Stipendium der Kunststation. Vor vier Jahren war er mit seiner Ehefrau und Managerin Jasmina nach Sacramento in Kalifornien umgezogen. Er nahm insgesamt an mehr als 60 Ausstellungen im ehemaligen Jugoslawien, in Deutschland, Österreich und den USA teil.

"Das Problem ist nicht, eine Nase oder zwei Augen so abzubilden, dass sie dem Porträtierten ähnlich sind, sondern Leben in den Ton zu bringen und Charakterzüge sichtbar zu machen", beschreibt der Künstler seine Arbeit. Welche Charakterzüge will er zeigen? Huseinbegovic wiegt den Kopf, bespricht sich auf bosnisch mit seiner Ehefrau und sagt dann: "Der Landrat ist eine Person mit Visionen, die weiter sieht als andere und die andere mit Worten fesseln kann. Er ist stark, intelligent, charismatisch. All das soll die Büste, wenn sie fertig ist, ausdrücken."

Nachdem Huseinbegovic anhand der Fotos die Kramer-Büste vormodelliert hatte, saß ihm Fritz Kramer an zwei Tagen insgesamt zwei Stunden Modell. Vom Ergebnis ist der CDU-Politiker begeistert: "Ich habe mich ungläubig gefragt, wie es einem Menschen gelingt, aus der unberechenbaren und toten Materie Ton etwas zu schaffen, das mir so ähnlich ist. Obwohl die Büste ja noch nicht ganz fertig ist, sage ich heute schon: Ja, das bin ich."

Wenn die Büsten Kramers und Ballmaiers dann fertig sind, sollen sie ab 5. September in einer Ausstellung mit Werken Numan Huseinbegovics in Hünfeld gezeigt werden - zunächst in Gips, später könnten sie in Bronze gegossen werden. Und was passiert dann mit den Büsten? Ballmaier weicht aus: "Das soll der Künstler entscheiden." Die Frage, ob Kramer und sein früherer Mitarbeiter etwa schon an ihren Denkmälern arbeiten, weist der Landrat jedenfalls energisch zurück: "Der Betreffende kann und soll nicht für seine eigene Ahnengalerie sorgen. Das ist eine Sache, die später überlegt werden muss." Aber, so räumt er dann ein, an die Zeit nach dem Ausscheiden aus dem Amt in gut einem Jahr habe er beim Modell-Sitzen schon gedacht: "Was hier entsteht, sind Büsten ohne Augen, die Totenmasken sehr nahe kommen. Da ist mir die menschliche Endlichkeit besonders bewusst geworden."

Aus: Fuldaer Zeitung vom 16. August 2004.


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