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Stipendiatin Petra Lange und fünf weitere Künstler zeigen "Internationale Positionen zeitgenössischer Steinbildhauerei"
Gedanken in Stein und Seh-Lektionen
Von Klaus H. Orth
Hofbieber-Kleinsassen. "Der Bildhauer überträgt seine Gedanken
nicht etwa in Marmor. Er denkt in Marmor." Wer die aktuelle Ausstellung in
der Kunststation Kleinsassen besucht, dem kommen vielleicht jene Sätze
Oscar Wildes in den Sinn. Denn die Exponate der Schau sind aus Stein
gehauene Gedanken - gegenwärtig in Marmor, Travertin, Labrador, Basalt,
Schiefer und Granit - greifbar und begreifbar gemachte Ideen von sechs
Künstlern, die "Internationale Positionen zeitgenössischer
Steinbildhauerei" deutlich machen.
Ein Lob der Stipendiatin
Wie Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation, in seiner Begrüßung
erklärte, wurde die Schau von Stipendiatin Petra Lange
zusammengestellt, deren Arbeiten - entstanden während der letzten zwei
Jahre am Fuße der Milseburg - einen wesentlichen Teil der Ausstellung
ausmachen. In Anbetracht der Vorliebe der Künstlerin zu besonders
harten Gesteinsarten sagte Ballmaier: "Wer solchen Steinen seinen Willen
aufzwingt, der muss schon einen ausgeprägten Charakter haben."
Ballmaier gratulierte außerdem Dr. Wilhelm Mons zum 65. Geburtstag und
überreichte dem langjährigen Fachbereichsleiter für
schulische Ausbildung, EDV und Naturwissenschaften bei der
Volkshochschule des Landkreises,
der in dieser Woche in den Ruhestand verabschiedet wird, ein Präsent.
Dr. Ralf F. Hartmann, Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher aus Berlin,
ging auf das breite und faszinierende Spektrum an Formen, Oberflächen
und Farben ein, das die Steinarbeiten auszeichne. Er lobte die Vielfalt und
Variationsbreite, mit der die einzelnen Künstler in bisweilen einfachen
Formen dem Material Stein zu Beachtung verhelfen, und betonte: "Alle sechs
Positionen thematisieren Zeit." Mal sind es die Begebenheiten der Struktur,
mal die Spuren des Werkprozesses, die auf den Kampf des Bildhauers mit dem
Stein schließen lassen. Immer aber spreche aus der Skulptur der
Respekt des Künstlers vor dem Material und seiner Schönheit. Wer
sich die Zeit zur Betrachtung und Reflexion nehme, der dürfe an den
Erfahrungen teilhaben, die der Künstler während seiner Arbeit
gewonnen habe. Hartmann stellte die Künstler vor gab einige Sehhilfen.
Die Arbeiten von Rosa Brunner lassen eine Reduzierung auf das Elementare
erkennen, verweisen auf den Ursprung alles Kulturellen aus der Natur,
erinnern als Bündelungen von Rundformen und Stäben an
fragmentierte Architekturelemente aus Romanik und Gotik. Ein ähnlicher
Fundstückcharakter spricht aus dem Werk des Brasilianers Alfi Vivern,
der im Spannungsfeld aus weichem Holz und hartem Stein Objekte schafft, die
Spuren der Vergangenheit zeigen und zugleich in die Ewigkeit verweisen:
verkohltes Zeitungspapier, dessen Struktur die Maserung von Holz imitiert,
Taschen aus Stein - schier unbegrenzt haltbar. Auf das Verhältnis Natur
- Kunst geht auch Emanuele Gianetti ein. Das Formenrepertoire des Italieners
mutet mediterran an, seine Stäbe aus Travertin lassen an menschliche
Figuren denken und tragen Titel wie "Krieger" - es sind Symbolträger
archetypischer Momente. Gianettis Landsmann Sandro Piermarini nutzt den
Stein als Träger einer erzählerischen Struktur. Das Spiel mit der
Auflösung des Materials und der Versuch, den Stein transparent zu
machen, bestimmt seine Arbeiten, die von nahezu malerischer Qualität
sind.
Erica von Seeters nähert sich respektvoll dem Material. Die
Niederländerin schlägt hier eine Brücke, deren virtuose
Oberflächengestaltung sich in Strahlen entfaltet, lässt dort an
einem anderen Bogen matte, raue Strukturen auf glatte Flächen treffen.
Ähnliche Gestaltungsfreude zeigt Petra Lange.
Die gebürtige Dortmunderin, die zwei Jahre lang Stipendiatin des Landkreises Fulda war,
arbeitet die Form des Steines heraus, setzt auf Reduktion, um das Wesen des
Materials aufscheinen zu lassen. Ihre Objekte - so Hartmann in seiner
Würdigung - lassen sich auf das "Wagnis Zeit" ein, sprechen eine leise
Sprache, zeugen von der "hohen psychischen und physischen Kraft" ihrer
Schöpferin.
Klang und Botschaft
Erster Kreisbeigeordneter Gerhard Möller, der die Schau eröffnete,
erinnerte mit Blick auf die Exponate an "Die Klangprobe" von Siegfried Lenz
- ein Buch, das nicht nur die Geschichte einer Steinmetz- und
Bildhauerfamilie erzähle, sondern vor allem zweierlei deutlich mache:
zum einen wie wichtig es sei, die Steine lesen zu lernen, und zum anderen,
dass es darauf ankomme, in die Steine hinein zu hören, um die Reinheit
des Steins zu erkennen. Die ausgestellten Arbeiten laden zum intensiven
Betrachten und zur persönlichen Klangprobe ein.
Umrahmt wurde die Vernissage von Veronika Waldhausen (Mezzosopran) und
Isabell Derman (Klavier). Zu den Arbeiten von Petra Lange und ihren
Steinbildhauerkollegen sind zwei Kataloge (je 5 Euro) erschienen. Die
Ausstellung ist bis zum 10. Juli täglich - außer montags - von 13
bis 18 Uhr in der Kunststation zu sehen.
Aus: Fuldaer Zeitung vom 29. April 2003.
Mehr: Fotos zur Vernissage.
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