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Internationale Positionen zeitgenössischer Steinbildhauerei
Von Dr. Ralf Hartmann, Kunsthistoriker (Berlin)
Die sechs Künstler dieser Ausstellung verbindet eine wesentliche
Gemeinsamkeit: Sie alle arbeiten mit Stein. Im langwierigen Prozess von der
Formulierung des Gedankens bis zur Ausarbeitung der Skulpturen fordert Stein
weit mehr physische und psychische Energien als jedes andere
künstlerische Material. Darin liegt bis heute seine besondere
Wertschätzung als Ausdruck des Dauerhaften und Beständigen
begründet. Stein fordert in der Bearbeitung sowohl Konzentration als
Energie und legte deshalb "Innen und Außen" als Thema dieser
Ausstellung nahe.
Die Kuratorin Petra Lange ist selbst Bildhauerin und arbeitet
bereits seit vielen Jahren mit Stein: Ihre Skulpturen artikulieren
einen äußerst sensiblen Umgang mit dem Material.
Eine entgegengesetzte Position vertritt Sandro Piermarini. Seine
Arbeiten nutzen Stein als Folie für den gestalterischen Formwillen und
als Träger einer individuellen erzählerischen Syntax. Er
überzieht Texturen und Flächen mit Reliefnetzen, die zum Teil
abstrakte Chiffren bleiben oder sich zum Motiv verdichten. Genau an diesem
Punkt avanciert der Künstler zum Maler in Stein.
Der Brasilianer Alfi Vivern verbindet die materialen Eigenschaften
von weichem Holz und hartem Stein als Grundlage menschlicher Kulturbildung
und Architektur. Hülle und Struktur, Schutz und Inhalt bilden dabei
sein zentrales Thema.
Rosa Brunners Werk beharrt auf der originären Herkunft alles
Kulturellen aus der Natur. Ihre organischen Bündelungen von Stäben
und Rundformen verweisen auf die frühe Architektur der Gotik.
Die Arbeiten von Emanuele Giannetti lassen unschwer seine Herkunft
aus dem mediterranen Kulturraum erkennen. Die Kunst der
Mittelmeerländer hat über Jahrhunderte immer wieder den Menschen,
seine schicksalhafte Position im Weltdrama zum Thema gemacht.
Erica van Seeters Skulpturen markieren den deutlichsten Zugriff des
gestaltenden Künstlers auf die Möglichkeiten des Materials. Auch
sie entwickelt aus der Arbeit mit Stein erzählerische Strukturen, in
denen der Mensch mit seinen kulturellen Fähigkeiten im Mittelpunkt
steht.
Aus dem Vorwort des Ausstellungskatalogs
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