Zurück   Startseite   Druckversion 22. April 2003

Internationale Positionen zeitgenössischer Steinbildhauerei

Von Dr. Ralf Hartmann, Kunsthistoriker (Berlin)

Die sechs Künstler dieser Ausstellung verbindet eine wesentliche Gemeinsamkeit: Sie alle arbeiten mit Stein. Im langwierigen Prozess von der Formulierung des Gedankens bis zur Ausarbeitung der Skulpturen fordert Stein weit mehr physische und psychische Energien als jedes andere künstlerische Material. Darin liegt bis heute seine besondere Wertschätzung als Ausdruck des Dauerhaften und Beständigen begründet. Stein fordert in der Bearbeitung sowohl Konzentration als Energie und legte deshalb "Innen und Außen" als Thema dieser Ausstellung nahe.

Die Kuratorin Petra Lange ist selbst Bildhauerin und arbeitet bereits seit vielen Jahren mit Stein: Ihre Skulpturen artikulieren einen äußerst sensiblen Umgang mit dem Material.

Eine entgegengesetzte Position vertritt Sandro Piermarini. Seine Arbeiten nutzen Stein als Folie für den gestalterischen Formwillen und als Träger einer individuellen erzählerischen Syntax. Er überzieht Texturen und Flächen mit Reliefnetzen, die zum Teil abstrakte Chiffren bleiben oder sich zum Motiv verdichten. Genau an diesem Punkt avanciert der Künstler zum Maler in Stein.

Der Brasilianer Alfi Vivern verbindet die materialen Eigenschaften von weichem Holz und hartem Stein als Grundlage menschlicher Kulturbildung und Architektur. Hülle und Struktur, Schutz und Inhalt bilden dabei sein zentrales Thema.

Rosa Brunners Werk beharrt auf der originären Herkunft alles Kulturellen aus der Natur. Ihre organischen Bündelungen von Stäben und Rundformen verweisen auf die frühe Architektur der Gotik.

Die Arbeiten von Emanuele Giannetti lassen unschwer seine Herkunft aus dem mediterranen Kulturraum erkennen. Die Kunst der Mittelmeerländer hat über Jahrhunderte immer wieder den Menschen, seine schicksalhafte Position im Weltdrama zum Thema gemacht.

Erica van Seeters Skulpturen markieren den deutlichsten Zugriff des gestaltenden Künstlers auf die Möglichkeiten des Materials. Auch sie entwickelt aus der Arbeit mit Stein erzählerische Strukturen, in denen der Mensch mit seinen kulturellen Fähigkeiten im Mittelpunkt steht.

Aus dem Vorwort des Ausstellungskatalogs


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