Zurück   Startseite   Druckversion 24. Februar 2003

Aktuelle Kunst, die Brücken schlägt

Von Klaus H. Orth

Hofbieber-Kleinsassen. "Kunst hat in ihrer zeitgenössischen Form die Aufgabe, Brücken zu schlagen", sagte Landrat Fritz Kramer in der Kunststation Kleinsassen. Dort eröffnete er die Ausstellung "Zeitgenössische Kunst aus Polen", die im Rahmen eines Austauschprojektes mit Lehrbeauftragten der Kunsthochschule Danzig gezeigt wird. Seit langem, so Kramer, bestehen enge Kontakte zwischen dem Rhöner Ausstellungshaus und polnischen Künstlern: "Vielleicht ist Kunst das geeignetste Instrument, die Seele eines Volkes zu entdecken."

Dr. Marion Feld, verantwortlich für das Programm der Kunststation, dankte Leszek Skurski. über den in der hiesigen Region lebenden Maler war der Kontakt zur Danziger Hochschule zustande gekommen. Von ihm kam die Anregung zu dem Austauschprojekt, dessen erster Teil bereits abgeschlossen ist: Im vergangenen Monat präsentierten Peter Henryk Blum, Susanne Bockelmann, Veronika P. Dutt, Predrag Hegedüs, Mia Hochrein, Petra Lange und Leszek Skurski - Künstler, deren Namen mit der Kunststation verknüpft sind - in Danzig ihre Arbeiten. Diese Exponate sind nun noch knapp zwei Wochen in Halle zwei der Kunststation zu sehen.

Was Menschen zusammenbringt, ist Kunst und Kultur, konstatierte Professor Roman Gajewski von der Danziger Hochschule. Er beschrieb die nach seinen Worten äußerst freie Entwicklung der polnischen Kunst von den Nachkriegsjahren bis heute und sagte: "Wir hoffen, dass es nicht so viele Unterschiede gibt zwischen polnischer und westlicher Kunst." Darüber kann jeder Besucher nun selbst befinden.

Roman Gajewskis Arbeiten sind geprägt von dem Spiel mit geometrischen Formen. Seine meist in kühlem Grau und Blau gehaltenen mehrteiligen Zeichnungen mit dem Titel "Cathedrals" variieren und verfremden Kirchengrundrisse. Sie tun dies bisweilen so stark, dass man meinen könnte, man hätte es mit der Sicht auf einen Motor zu tun. Gajewskis drei kreisrunde "Resentment" - in Blau-, Grün- und Rottönen gemalt - vereinen abstrakte und konkrete Bildelemente.

Innovativ wirken die Objekte von Janina Rudnicka: "The Notation I" ist eine von Synthetikstoff überzogene Wand mit Porträts, Zeichnungen und teilweise nummerierten Notizen, die ob ihrer teilweisen Transparenz, die manche Durchblicke zulässt und andere verhindert, die Neugier weckt. Das gilt ähnlich für "The Sleepiness - The Notation III", ein auf ein Aluminiumgestell gezogenes Tuch mit Schachbrettmuster, unter dem ein Spiegel platziert ist, der die Unterseite des Stoffes wiedergibt: Fotografien eines Auges.

Krzysztof Polkowski fragt in den Titeln seiner großformatigen, mehrteiligen Acrylbilder nach der Zeit. In "Is It That Time?" beispielsweise kombiniert er Farbflächen mit fragmentarischen Darstellungen des gekreuzigten Christus.

Leszek Skurski zelebriert einen Cross-Over zwischen ungegenständlicher und gegenständlicher Darstellung. Das ölbild "Der Kandidat" gibt über brauner Predella das Porträt eines Mannes in Kardinalstracht wieder. Zwei Linien - eine schwarze, darüber eine etwas dickere blaue - heben die Figur vom monochromen Hintergrund ab. Stets fangen Skurskis Arbeiten existenzielle Momente ein, oft scheinen Vorzeichnungen durch, werden identitätsbezeugende Merkmale ausgeblendet, bleiben Figuren anonym.

Grzegorz Radecki fokussiert Damen. In Nahsicht gibt der Maler in oft trüben Tönen Gesichtspartien von Frauen wieder, wobei er an manchen Stellen hell leuchtende Farbakzente setzt - wie in der blauen Brille von "Marianna", die dem Betrachter regelrecht ins Auge springt. Auch Marek Model lockt mit dem Weiblichen - allerdings nicht mit schönen Gesichtern, sondern mit feisten Leibern. "Body" sind seine ölbilder denn auch betitelt, die wohlbeleibte Frauentorsi in den Mittelpunkt rücken. Die Motivwelt von Zbigniew Gorlak setzt sich aus Fundstücken der Zeitgeschichte zusammen, die von Hunden bis hin zu Legofiguren reichen, die häufig in comicartiger Buntheit die Inhalte der Acrylbilder wie "Pyramid" beherrschen.

Die abwechslungsreiche Schau läuft noch bis 21. April. Darüber hinaus kann man sich im Internet über das Austauschprojekt, Künstler und Exponate informieren.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 25. Februar 2003.


Zurück   Seitenanfang
P. Klingebiel, Fulda

Freie Malschule
 30.10.2011 bis 04.03.2012
Mehr zur Ausstellung ...
FZ-Artikel zur Ausstellung
Fotos zur Ausstellung

Labyrinth der Mythen
 11.12.2011 bis 04.03.2012
Mehr zur Ausstellung ...
FZ-Artikel zur Ausstellung
Fotos zur Ausstellung

Café in der Kunststation
Geöffnet: dienstags - sonntags, 13 - 17 Uhr

Sparkasse Fulda

Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen

Ulenspiegel in der Kunststation Kleinsassen

Jahresprogramm

Öffnungszeiten der Kunststation:
dienstags - sonntags, 13 - 17 Uhr,

Jahresprogramm 2012
Seminarprogramm 2012

Weg zur Kunststation

Nachricht an die Kunststation
Kunsttelegramm der Kunststation

Ausstellungen 2012
Ausstellungen 2011

Die Gestaltung der Homepage basiert auf dem Flyer zur aktuellen Ausstellung
Im Labyrinth der Mythen.

Das Bild der Kunststation Kleinsassen auf der Startseite ist ein Ausschnitt eines Fotos des Fuldaer Fotografen Andre Druschel
(www.druschel-photography.de).