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Vernissage in der Kunststation Kleinsassen: "Ikone - Faszination Gesicht" und Frida - mi vida"
Kopflastiges, das überrascht
Von Klaus H. Orth
Hofbieger-Kleinsassen. Kunst hat viele Gesichter. Das gilt für die
Breite bildnerischer Ausdrucksmöglichkeiten im Allgemeinen und für
die Exponate der zwei aktuellen Ausstellungen in der Kunststation
Kleinsassen im Besonderen: Die eine, "Ikone - Faszination
Gesicht", präsentiert Beispiele aus nahezu allen Kunstgattungen,
die sich dem menschlichen Antlitz widmen oder den Begriff "Ikone"
thematisieren. Die andere, "Frida - mi vida", stellt Renate
Reicherts Variationen zu einem Doppelporträt der Künstlerin Frida
Kahlo vor.
Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation Kleinsassen, begrüßte
die Gäste der Vernissage, dankte den Kuratoren Dr. Marion Feld, Gernot
Ehrsam und Predrag Hegedüs und eröffnete die beiden miteinander
verbundenen Präsentationen.
Rund 100 Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland haben
ihre Arbeiten zur Themenausstellung "Ikone - Faszination Gesicht"
eingesandt, zu der die Kunststation im vergangenen Jahr eingeladen hatte.
"Nahezu alle Gattungen sind in der Schau vertreten, wobei die Malerei
den Hauptteil ausmacht und knapp ein Drittel aus dreidimensionalen Werken
besteht", sagte Feld. Die große Bandbreite sei durch die
Materialien mitbedingt, aber vom Thema hauptsächlich beeinflusst: zum
einen vom Komplex "Gesicht" und der damit verbundenen Frage nach
Darstellungsart, Wiedererkennbarkeit, Stilistik und Ausführung; zum
anderen von der Auseinandersetzung mit dem Begriff "Ikone", der
einst als Urbild mit spirituellem Charakter verstanden worden sei und einen
Bedeutungswandel erfahren habe.Künstler wie Andy Warhol hätten ihn
auf Konsumartikel bezogen und so profaniert. So sei "Ikone" immer
mehr zum Synonym von "Inbegriff von ..." oder "Markenzeichen
für ..." geworden. Beeinflusst durch das englische
"icon" - so Feld -, reduzierte sich die Bedeutung letztlich gar
auf das Zeichen oder den Symbolwert.
Über 160 Arbeiten - Radierungen, Zeichnungen, Ölbilder, Aquarelle,
Gouachen, Fotografien, Arbeiten in Mischtechnik, Skulpturen aus Stein, Holz,
Metall oder Folie, Keramiken und Installationen - präsentieren in den
unterschiedlichsten Techniken kopflastige Kunst der Gegenwart: Porträts
und Studien, Typen und Charaktere, abstrahierte Personen, Häupter von
Heiligen und mythologische Figuren, Masken und Fratzen, moderne Ikonen wie
Dichter und Diven, Zeichen und Symbole aus der Welt von Werbung und Medien-
all das und vieles mehr lädt zum Betrachten ein.
"Eingebettet in die Gruppenausstellung ist die Einzelschau von Renate
Reichert, die sich seit langem mit Frida Kahlo beschäftigt",
erklärte Feld. Der Titel dieser Exposition, "Frida - mi vida"
(Frida - mein Leben) sei in Mexiko eine Anrede für nahe stehenden
Personen. Und wie einer Vertrauten habe sich Reichert während eines
langen Mexiko-Aufenthaltes der Kunst-Ikone Kahlo zugewandt. Dort sei ihr die
Idee zu dem Zyklus über das Bild "Die zwei Fridas" gekommen.
Farbenfroh und ideenreich beschäftigt sich der Werkkomplex mit dem
Leben der mexikanischen Malerin. Aus einer fantasievollen fiktiven
Zwiesprache in Bildform heraus kultiviert die in Italien lebende
Künstlerin ein spannendes Bilderbuch mit Tagebuchcharakter, in dem
Renate Reichert persönliches Erleben mit Anekdoten und Wissenswertem
aus dem Leben Kahlos zu collagenartigen Arbeiten verbindet. So erinnert das
in Farben der Trikolore gehaltene gerahmte Bild "Dieses
Scheiß-Paris ... aber du liebtest die Place des Vôsges" an
eine von André Breton für Kahlo in Paris organisierte
Ausstellung, bei der sich die Malerin gar nicht wohl fühlte. Und
"Da du ja Flügel zum Fliegen hast" geht auf ein Notat aus
ihrem Tagebuch ein, in dem sie nach einer Fußamputation bemerkt:
"Wozu brauche ich Füße, wenn ich Flügel zum Fliegen
habe."
Mal humorvoll-leicht, mal melancholisch schwer, und immer sehr
hintergründig rückt Reichert in den über 80 Exponaten eine
Episode nach der anderen in den Fokus. Ein konsequent durchgehaltenes
künstlerisches Konzept mit vielen Überraschungen für den
Betrachter.
Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Klarinettist Bruce Edwards.
Die beiden Ausstellungen, die von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm
begleitet werden, sind noch bis zum 12. Oktober dienstags bis sonntags von
13 bis 18 Uhr zu sehen. Der Katalog soll Anfang August erscheinen.
Aus: Fuldaer Zeitung vom 22. Juli 2003.
Mehr:
Fotos zur Vernissage
Begleitprogramm zur Ausstellung
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