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20. Juli bis 12. Oktober 2003
IKONE - Faszination Gesicht
"Wer sehen wollte, wieweit es der Kunst möglich sei, die Natur
nachzuahmen, der erkannte es ohne Schwierigkeiten an diesem Kopfe. ...
nicht wie gemalt, sondern in Wahrheit wie Fleisch und Blut ... und es
galt für bewundernswert, weil es dem Leben völlig gleich
war." (Giorgio Vasari in den Lebensbeschreibungen berühmter
Künstler von 1568): "IKONE - Faszination Gesicht" lautet
der Titel eines neuen Ausstellungsprojektes der Kunststation
Kleinsassen. Gezeigt werden Gemälde, Skulpturen und Installationen
zeitgenössischer Künstler, die sich mit der Stellung und der
Bedeutung des Porträts in der zeitgenössischen Kunst
beschäftigen: Das Thema der Ausstellung lenkt dabei die Betrachtung
auf das Menschliche, das Übersinnliche und das Geheimnis von
Bildlichkeit schlechthin. Vernissage ist am 20. Juli um 16 Uhr.
Am 27. Juli findet um 16 Uhr in der Kunststation Kleinsassen ein
Ausstellungsgespräch mit den Kuratoren Gernot Ehrsam, Dr. Marion Feld
und Predrag Hegedüs statt.
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Renate Reichert Frida - mi vida, die Regenzeit ist wieder da 22 x 30 x 2,5 cm, Mischtechnik |
Grigory Berstein Dialog: Joseph Beuys mit Albrecht Dürer 160 x 30 x 30 cm, Öl, Glas, Holz, Drehmotor |
Eines der weltweit bekanntesten und meist bestaunten Porträts der
europäischen Kunstgeschichte ist Leonardo da Vincis "Mona
Lisa". Das sprichwörtliche geheimnisvolle Lächeln dieser
jungen Florentinerin hat nicht nur Generationen von Künstlern zu
ähnlichen Kompositionen, zu Verfremdungen und Persiflierungen
inspiriert, sondern unzähligen Betrachtern immer wieder aufs Neue
Rätsel aufgegeben.
Zahllose Künstler griffen die einzigartige Komposition auf. Das
Porträt der Mona Lisa wurde gewissermaßen stilbildend und zur
Legende, um nicht zu sagen zur "IKONE". Ein erster Baustein
zum Mythos war die Tatsache, dass Leonardo sich nicht von diesem Bild
trennte und es 1517 mit nach Frankreich nahm. Nach dem Tod des
Künstlers kam es in den Besitz des französischen Königs
wurde Kernstück der späteren Louvre-Sammlung. Weitere
Stationen des Mythos "Mona Lisa" waren der spektakuläre
Raub aus dem Louvre 1911 und die spätere triumphale
Rückführung, die die damalige Öffentlichkeit in einen
wahren Mona-Lisa-Rausch versetzte.
Auch in späteren Jahrzehnten hat es in Künstlerkreisen immer
wieder Rückgriffe auf "Mona Lisa" gegeben - zum Beispiel
"Mona Dali" von Salvatore Dali oder die Verarbeitung des
Motivs in der Pop art vor allem durch Andy Warhol. Neben
unzähligen Trivialisierungen und verkitschten Verfremdungen hat
sich vor allem die Werbung den großen Bekanntheitsgrad des Bildes
zunutze gemacht. Die gesamte Rezeptionsgeschichte hat dazu beigetragen,
dass zwar sprichwörtlich jeder "Mona Lisa" kennt, aber
(fast) keiner das Bild wirklich noch offenen Sinnes betrachtet. Der Ruhm
des Gemäldes hat mit der Zeit den Zugang zu seiner
tatsächlichen Bedeutsamkeit verdeckt. Der Mythos hat es zum
Inbegriff einer (modernen) Ikone (eikon = Abbild, seinem Gegenstande
gleichend) werden lassen.
Die Seele einfangen
Das Phänomen "Porträt" wird genährt durch den
Gegensatz "Anwesenheit - Abwesenheit" und das Paradox eines
Zeitensprungs, der die Dargestellten wieder lebendig und anwesend sein
lässt - im Augenblick der Kommunikation scheinen die Zeit und
selbst der Kunstcharakter aufgehoben, Vergänglichkeit und Tod
vergessen - zumindest für einen kurzen Augenblick.
Grundsätzlich versteht man unter Porträt die geformte, gemalte
oder fotografische Abbildung eines bestimmten Menschen mit seinen
charakteristischen Merkmalen, die sich nicht nur auf
Äußerlichkeiten beschränken. Wie viel erkennt der
Künstler von der Seele und Psyche, wie viele seiner eigenen
Empfindungen fließen - bewusst oder unbewusst - mit ein? In
wieweit ist der Ausdruck des Porträtierten auf die expressiven
Möglichkeiten der künstlerischen Mittel
zurückzuführen? Aber auch: Mit welchen Empfindungen nimmt ein
unbeteiligter Betrachter ein Porträt wahr, welche eigenen
Erfahrungen und Befindlichkeiten beeinflussen die Interpretation?
Neue Wege des Porträts
War das Porträt zunächst durchaus unabhängig von
naturalistischen Darstellungswünschen, gab es in der Vergangenheit
immer wieder Phasen und Epochen, in denen eine modellgetreue
Ähnlichkeit unbedingte Voraussetzung war; eine Meinung, die sich
seit der Entwicklung der Fotografie verstärkt hat. Gerade die
Bildnisferne in manchen Phasen der Modernen Kunst ist als direkte
Reaktion auf die unüberbietbare fotografische Genauigkeit zu
verstehen. Mit der Betonung des psychologischen Moments oder gar
psychischer Abgründe wurden mit dem modernen Porträt neue Wege
der Darstellung eingeschlagen.
Dass die Wiedererkennbarkeit der dargestellten Person für die
eigentliche Bildaussage sogar hinderlich sein kann, wurde allerdings
nicht erst im 20./21. Jahrhundert entdeckt. Es ist interessant, dass in
der langen Zeit der Menschendarstellung die Phasen des naturgetreuen
Abbilds deutlich in der Minderzahl sind.
Öffnungszeiten der Kunststation Kleinsassen: dienstags bis sonntags von 13 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.
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