Zurück   Startseite   Druckversion 18. November 2003

"Sichtweisen" mit vielen Parallelen

Hofbieber-Kleinsassen (FZ). Jeder beschaut ein Bild auf seine ganz eigene Art - und doch ergeben sich im Vergleich individueller Betrachtungen häufig Parallelen. Das wurde jetzt einmal mehr in der Kunststation Kleinsassen deutlich. Das Präsentationshaus am Fuße der Milseburg hatte auf Initiative der Künstlerin Karina Wellmer-Schnell zu der Aktion "Sichtweisen" eingeladen, bei der drei Kunstwissenschaftler anhand ausgesuchter Arbeiten der aktuellen Ausstellung "Erde - Haut - Papier" (die FZ berichtete) ihre Interpretationen des jeweiligen Werkes einem interessierten Publikum vorstellten.

Dr. Helmut Orpel aus Mannheim, Chefredakteur des Kunstmagazins "Kunsthandel", Ralf-Michael Seele, Gründer und Leiter der Städtischen Galerie in Meiningen, und Andrea Suppmann, Mitarbeiterin des Kunst Archivs Darmstadt, setzten sich intensiv mit drei Bildern auseinander, die man als exemplarisch für das entsprechende Schaffen der jeweiligen Künstlerinnen ansehen kann: Die Experten betrachteten und deuteten die Gouache "Blinde Person" von Kathrin Brömse, wobei sie besonders den engen Bezug der Marburger Künstlerin zum Werkstoff Papier hervorhoben und auf die existentiellen Momente verwiesen, die sich in dem gezeigten torsierten Menschen widerspiegelten.

Die Kunstwissenschaftler gingen auf die "Große Faltung" von Gisela Denninghoff aus Lich ein und hoben hier den Kontrastreichtum hervor. Dieser ergebe sich zum einen aus der bewegten Oberfläche mit den aufgeworfenen Falten der Leinwand. Zum anderen erwachse sie aus dem Neben- und Miteinander kräftiger Acrylfarben, die sich mit Lava und Pigmenten verbinden.

Und auch beim "Liebesreigen" von Karina Wellmer-Schnell aus Ober-Ramstadt fanden sich viele Schnittstellen in den Ausführungen der Fachleute, darunter der Hinweis, wie stark die Arbeit - eine Kombination aus Bild und Objektkunst - das archaische Material Rohleder und die moderne Gestaltungstechnik der Digitalfotografie Vergangenheit und Gegenwart künstlerisch vereine.

Klaus H. Orth, Kulturredakteur dieser Zeitung, moderierte den Nachmittag, bei dem auch das Publikum Gelegenheit hatte, seine "Sichtweisen" zu den Arbeiten zu äußern, Fragen zu stellen, Anregungen zu geben und sie im Gespräch mit den Kunstwissenschaftlern und Künstlerinnen zu diskutieren.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 18. November 2003.

Mehr:
FZ-Bericht zur Vernissage
Fotos zur Vernissage
Begleitprogramm zur Ausstellung
Homepage von Gisela Denninghoff
Homepage von Karina Wellmer-Schnell


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