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Zwei Ausstellungen in der Kunststation Kleinsassen vereinen zeitgenössische Skulptur und Grafik
"Brücken in die Welt bauen"
Von Klaus H. Orth
Hofbieber-Kleinsassen.
Aktuelle Grafik und Arbeiten zeitgenössischer Bildhauer präsentiert
die Kunststation Kleinsassen in zwei miteinander verbundenen Ausstellungen:
Die eine, "Mutamentum" überschrieben, zeigt Skulpturen und
Objekte einer internationalen Gruppe, die andere stellt unter dem Titel
"Werkstatt Künstlerische Lithographie Berlin" 164 Steindrucke
von 23 Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland, Österreich,
Liechtenstein, Ghana, Japan und Kolumbien vor.
"Diese beiden Ausstellungen sind selbstständig, aber sie ergänzen
einander", sagte Dr. Marion Feld, die im Namen von Peter Ballmaier, Leiter
der Kunststation, die Gäste begrüßte und die Präsentationen
eröffnete.
Franco Scuderi, Kurator der Bildhauerschau, erklärte, dass die Idee zu
"Mutamentum" vor zwei Jahren in Florenz geboren worden ist. Sieben
Künstler aus Italien, Deutschland und den USA schufen individuelle
Arbeiten, die sie seit Frühjahr in einer Wanderausstellung präsentieren.
Nach den ersten Stationen in Städten des Chianti-Gebiets sind die Werke
jetzt in Kleinsassen zu sehen, ehe sie anschließend in Florida gezeigt
werden.
Wie der entsprechende Ausstellungsort auf die Exponate wirkt, wie sehr die
jeweilige Komposition der Schau den Gesamtausdruck der Arbeiten verändert,
darum geht es den Künstlern, wie Bildhauer Hartmut Stielow betonte, der
für die Gruppe sprach. Er stellte seine Kollegen vor und ging auf ihre
Arbeiten ein: die Zypressen von Riccardo Biondi, die abstrakten Aluminium-Plastiken
und dynamisch anmutenden Holzkollagen von Franco Scuderi, die Marmorobjekte
des in Langenschwarz lebenden Künstlers Lothar Nickel, die eigenwilligen
Mixturen aus Zeichnung und Skulptur von Stephen Daly, die torsierten Figuren
mit Häkelkleidern von Kathleen Holmes und die buchstabenähnlichen
Arbeiten von Janes Manus. Stielow, der in seinem eigenen Werk häufig auf
die Kombination von Stahl und Stein setzt, schloss: "Jeder für sich
entwickelt eine Sprache, die nicht zu babylonischen Konsequenzen führt,
sondern Ausdruck künstlerischer Freiheit ist. Jeder trägt dazu bei,
Brücken in die Welt zu bauen."
Doris Thyrolph, Fachbereichsleiterin Kultur beim Bezirksamt Treptow-Köpenick,
überbrachte Grüße aus Berlin und ging auf die Geschichte der
1987 gegründeten "Werkstatt Künstlerische Lithographie Berlin"
ein, die sich dem chemischen Steindruck Alois Senefelders widmet und das
"alte, fast vergessene Handwerk" wiederbelebt hat. Die Zusammenarbeit
von Künstlern aus Ost- und West-Berlin nach dem Mauerfall sowie Kontakte
nach Österreich und Liechtenstein seien Beispiel dafür, wie die Gruppe
mit ihrer Kunst Grenzen überwunden habe. " Die Ausstellung zeigt
ausschließlich Steindrucke", sagte Thyrolph und stellte unter
anderem die Werkstatt-Mitglieder Brigitte Hasler, Yvonne Jeske und Henry Ruck
vor, die zur Vernissage gekommen waren. Thyrolph bedankte sich für die
Gastfreundschaft und lud zwei Künstler der Kunststation für das
kommende Jahr ein, zwei Wochen lang in der Berliner Werkstatt zu arbeiten.
Die Steindrucke beeindrucken durch die Vielfalt individueller Erscheinungsformen:
Mal stellen sie das Ornament, mal das Figurative in den Mittelpunkt,
fokussieren Landschaften, neigen zum Formelhaften oder zur Abstraktion, sind
mal sozialkritisch oder einfach nur dekorativ.
Für die musikalische Umrahmnung der Vernissage sorgten Willi Genßler
(Saxophon) und Martin Genßler (Piano).
Mutamentum. Skulpturen. Katalog: 10 Euro.
Werkstatt Künstlerische Lithographie Berlin. Steindrucke.
Katalog: 5 Euro. Kunststation Kleinsassen. Bis 27. Oktober.
Öffnungszeiten: täglich außer montags von 14 bis 18 Uhr.
Aus: Fuldaer Zeitung vom 3. September 2002.
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