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Teilnehmer der vhs-Radierwerkstatt von Gisela Rieck stellen in Kleinsassen aus
Vielfältige Werbung für die Magie der Linie
von Bea Nolte-Schunck
Die Frau im roten Kleid wirkt gelöst und streckt ihre Arme in die
Höhe. Sie ziert eine Aquatinta-Radierung mit dem Titel
"Freude" von Gisela Rieck. Grund zu diesem schönen
Gefühl hat auch die Künstlerin selbst, denn die von ihr
geleitete Radierwerkstatt bei der Kreis-Volkshochschule prösentiert
eine sehr sehenswerte Ausstellung in der Kunststation Kleinsassen. Neben
Rieck zeigen bis zum 17. Februar folgende Grafik-Versierte ihre
Arbeiten: Luise Hoehl, Ortrud Jahnel, Roswitha Krenzer, Sylvia
Molz-Rehli, Gisela Mühlsteff, Heidi Rosenboom, Eva-Johanna
Schaffrath, Margarete Schönherr, Roland Schossig und Matthias
Schütz.
Zahlreiche Interessierte nutzten die Vernissage, um die elf
Ausstellenden und ihre Werke zu erleben. Peter Ballmaier, Leiter der
Kunststation Kleinsassen, äußerte sich sehr zufrieden über
die große Resonanz. Er betonte, die Kunststation sei fast ausschließlich
Profis unter den Kreativen vorbehalten, aber man mache eine Ausnahme, was die
künstlerische Bildungsarbeit der vhs betreffe.
Ballmaier erwähnte besonders Gisela Rieck, die eine sehr
erfolgreiche Lehrerin sei und dabei meist bescheiden im Hintergrund
bleibe: "Im Zweifelsfall hält sie sich zurück, obwohl sie
so viel kann und weiß." Sie verstehe es, die Mitglieder der
Grafik-Werkstatt zusammenzuhalten und zu motivieren. Ballmaier
bezeichnete die Ausstellenden als Menschen, bei denen die
Beschäftigung mit Druckgrafik ein gutes Stück ihres Lebens
ausmache. Er wies auf das Ausstellungsgespräch in der Kunststation
hin, das am Sonntag, 27. Januar, 16 Uhr unter Leitung von Dr. Marion
Feld mit den Werkstatt-Aktiven geplant ist.
Erster Kreisbeigeordneter Gerhard Möller erklärte, es sei von
besonderem Reiz, dass das neue Ausstellungsjahr in der Kunststation mit
Künstlerinnen und Künstlern eröffnet werde, "die dem
Schoß der vhs erwachsen und entwachsen sind." Die Station habe
nationale und internationale Bezüge, "aber sie wäre wie
ein Raumschiff im All, wenn sie keine Erdung in die Region hinein
hätte", sagte Möller. Sie könne Anstöße
für Freizeitbeschäftigung anspruchsvoller Art geben, so
Möller, der allen Ausstellenden dankte und besonders Gisela Rieck
würdigte.
Sie erwähnte in ihren Dankesworten vor allem Pedrag Hegedüs und
Raiko Herzegova für das Hängen der Arbeiten.
Die insgesamt rund 140 Werke bieten einen guten Einblick in
Möglichkeiten und Charme druckgrafischer Arbeiten. Sie
unterstreichen, dass es die gelungene Beschränkung auf das
Wesentliche ist, die den Meister oder die Meisterin ausmacht. Gerade
Radierungen und ihresgleichen leben von der Magie der Linie, die den
Betrachter in ihren Bann zieht. Außerdem verblüfft, wie
groß die Ausdrucksstärke gerade kleinformatiger Arbeiten sein
kann.
Dafür stehen beispielsweise "Träumchen" und
"Ufer" von Roland Schossig, die intensive Blicke erfordern und
verdienen. Dies gilt auch für die Werke von Matthias Schütz.
Er unterstreicht durch seine drei Estland-Motive, wie stimmungsvoll
Druckgrafik sein kann. Zum kreativen Spektrum von Roswitha Krenzer
gehören die ausdrucksvollen Rhön-Impressionen "Von der
Wasserkuppe zum Schafstein" und "Schwarzes Moor".
Margarete Schönherr beeindruckt unter anderem durch farbenfrohe
Arbeiten wie "An hellen Tagen...", "Stillleben mit
weißer Kanne" und "Engelsmusik". Luise Hoehl ist
zum Beispiel mit der Radierung "Hoffnung der Armen" vertreten
und der "Märchenbuche", die sie gekonnt zur
Erzählerin ohne Worte macht.
Einen Schwerpunkt der ausgestellten Werke von Sylvia Molz-Rehli bilden
die eindringlichen Illustrationen zu dem Roman "Das Alphabeth des
Juda Liva" von Benjamin Stein. Ortrud Jahnel hat sich kreativ mit
"Tut-ench-Amun" befasst und eine anregende Melange zum Thema
"Inspiration" beigesteuert. Das "Stillleben mit
Mais" von Gisela Mühlsteff lässt an die
Mittelmeerküche denken, während ihre Arbeit "Klage"
einen expressiv-meditativen Akzent bildet. Heidi Rosenboom setzt die
Situation in Afghanistan sensibel in Kunst um, ist aber auch mit
unbeschwerten Themen wie "Wangerooge" vertreten. Mit Arbeiten
über die Schöpfung, mit Fuldaer Motiven und grafisch
gestalteter Musik beweist Eva-Johanna Schaffrath ihr Können.
Ehrwürdig-pfiffige Charakterstudien von Baustilen zählen zu
den Werken, mit denen Gisela Rieck vertreten ist.
Aus: Fuldaer Zeitung vom 22. Januar 2002.
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