Zurück   Startseite   Druckversion 9. Februar 2002

Teilnehmer der vhs-Radierwerkstatt von Gisela Rieck stellen in Kleinsassen aus

Vielfältige Werbung für die Magie der Linie

von Bea Nolte-Schunck

Die Frau im roten Kleid wirkt gelöst und streckt ihre Arme in die Höhe. Sie ziert eine Aquatinta-Radierung mit dem Titel "Freude" von Gisela Rieck. Grund zu diesem schönen Gefühl hat auch die Künstlerin selbst, denn die von ihr geleitete Radierwerkstatt bei der Kreis-Volkshochschule prösentiert eine sehr sehenswerte Ausstellung in der Kunststation Kleinsassen. Neben Rieck zeigen bis zum 17. Februar folgende Grafik-Versierte ihre Arbeiten: Luise Hoehl, Ortrud Jahnel, Roswitha Krenzer, Sylvia Molz-Rehli, Gisela Mühlsteff, Heidi Rosenboom, Eva-Johanna Schaffrath, Margarete Schönherr, Roland Schossig und Matthias Schütz.

Zahlreiche Interessierte nutzten die Vernissage, um die elf Ausstellenden und ihre Werke zu erleben. Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation Kleinsassen, äußerte sich sehr zufrieden über die große Resonanz. Er betonte, die Kunststation sei fast ausschließlich Profis unter den Kreativen vorbehalten, aber man mache eine Ausnahme, was die künstlerische Bildungsarbeit der vhs betreffe.

Ballmaier erwähnte besonders Gisela Rieck, die eine sehr erfolgreiche Lehrerin sei und dabei meist bescheiden im Hintergrund bleibe: "Im Zweifelsfall hält sie sich zurück, obwohl sie so viel kann und weiß." Sie verstehe es, die Mitglieder der Grafik-Werkstatt zusammenzuhalten und zu motivieren. Ballmaier bezeichnete die Ausstellenden als Menschen, bei denen die Beschäftigung mit Druckgrafik ein gutes Stück ihres Lebens ausmache. Er wies auf das Ausstellungsgespräch in der Kunststation hin, das am Sonntag, 27. Januar, 16 Uhr unter Leitung von Dr. Marion Feld mit den Werkstatt-Aktiven geplant ist.

Erster Kreisbeigeordneter Gerhard Möller erklärte, es sei von besonderem Reiz, dass das neue Ausstellungsjahr in der Kunststation mit Künstlerinnen und Künstlern eröffnet werde, "die dem Schoß der vhs erwachsen und entwachsen sind." Die Station habe nationale und internationale Bezüge, "aber sie wäre wie ein Raumschiff im All, wenn sie keine Erdung in die Region hinein hätte", sagte Möller. Sie könne Anstöße für Freizeitbeschäftigung anspruchsvoller Art geben, so Möller, der allen Ausstellenden dankte und besonders Gisela Rieck würdigte.

Sie erwähnte in ihren Dankesworten vor allem Pedrag Hegedüs und Raiko Herzegova für das Hängen der Arbeiten.

Die insgesamt rund 140 Werke bieten einen guten Einblick in Möglichkeiten und Charme druckgrafischer Arbeiten. Sie unterstreichen, dass es die gelungene Beschränkung auf das Wesentliche ist, die den Meister oder die Meisterin ausmacht. Gerade Radierungen und ihresgleichen leben von der Magie der Linie, die den Betrachter in ihren Bann zieht. Außerdem verblüfft, wie groß die Ausdrucksstärke gerade kleinformatiger Arbeiten sein kann.

Dafür stehen beispielsweise "Träumchen" und "Ufer" von Roland Schossig, die intensive Blicke erfordern und verdienen. Dies gilt auch für die Werke von Matthias Schütz. Er unterstreicht durch seine drei Estland-Motive, wie stimmungsvoll Druckgrafik sein kann. Zum kreativen Spektrum von Roswitha Krenzer gehören die ausdrucksvollen Rhön-Impressionen "Von der Wasserkuppe zum Schafstein" und "Schwarzes Moor". Margarete Schönherr beeindruckt unter anderem durch farbenfrohe Arbeiten wie "An hellen Tagen...", "Stillleben mit weißer Kanne" und "Engelsmusik". Luise Hoehl ist zum Beispiel mit der Radierung "Hoffnung der Armen" vertreten und der "Märchenbuche", die sie gekonnt zur Erzählerin ohne Worte macht.

Einen Schwerpunkt der ausgestellten Werke von Sylvia Molz-Rehli bilden die eindringlichen Illustrationen zu dem Roman "Das Alphabeth des Juda Liva" von Benjamin Stein. Ortrud Jahnel hat sich kreativ mit "Tut-ench-Amun" befasst und eine anregende Melange zum Thema "Inspiration" beigesteuert. Das "Stillleben mit Mais" von Gisela Mühlsteff lässt an die Mittelmeerküche denken, während ihre Arbeit "Klage" einen expressiv-meditativen Akzent bildet. Heidi Rosenboom setzt die Situation in Afghanistan sensibel in Kunst um, ist aber auch mit unbeschwerten Themen wie "Wangerooge" vertreten. Mit Arbeiten über die Schöpfung, mit Fuldaer Motiven und grafisch gestalteter Musik beweist Eva-Johanna Schaffrath ihr Können.

Ehrwürdig-pfiffige Charakterstudien von Baustilen zählen zu den Werken, mit denen Gisela Rieck vertreten ist.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 22. Januar 2002.


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