Zurück   Startseite   Druckversion 16. Mai 2001

Freude über Interesse

Von Klaus H. Orth

Hofbieber-Kleinsassen. Mehr als zwei Monate lang präsentierte die Kunststation Kleinsassen in ihren Hallen die Exposition "textileArt-Quilt.2001 Retrospektive - Perspektive? 20 Jahre - 20 Wege". Die umfangreiche Ausstellung bot anhand beispielhafter Arbeiten eine anschauliche Zusammenfassung der diversen Entwicklungen in der deutschen Quilt- und Textilkunst-Szene der letzten zwei Jahrzehnte und wagte einen Ausblick auf neue Wege kreativer Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Stoff. Bei der Finissage zogen die beiden Kuratorinnen, Barbara Benedix und Gisela Hafer, nun eine positive Bilanz. Die beiden Austellungsmacherinnen freuten sich über das enorme Besucherinteresse, das die Schau erfahren hatte. "Die Ausstellung ist sehr gut angenommen worden", resümierte Gisela Hafer. Und Barbara Benedix fügte hinzu: "textileArt-Quilt ist ein Projekt, das die Verantwortlichen der Kunststation Kleinsassen wiederholen möchten."

Die Kuratorinnen erläuterten die Konzeption der Schau und luden die Besucher zu einem letzten Rundgang ein. Zahlreiche der insgesamt 36 ausstellenden Kreativen waren eigens aus allen Teilen Deutschlands angereist und stellten dabei ihre Arbeiten vor. Die präsentierte Palette reichte vom traditionellen Patchwork als textile Collage und Quilting als zusätzliche Musterbildung durch Absteppen mehrerer Stofflagen bis hin zu kreativen Weiterentwicklungen, die den Quilt als textile Raumgestaltung verstehen und experimentierfreudig auch nicht-textile Materialien mit einbeziehen. "Alle der hier Ausstellenden haben ihren richtigen und wichtigen Weg gefunden", sagte Gisela Hafer in Anbetracht des reichen Exponatenspektrums. Nicht das Material oder die Technik allein machten das Quilting zu einer eigenständigen Kunstform ergänzte Barbara Benedix: "Das Eigentliche ist die künstlerische Aussage."

Der Weg durch die Ausstellung mündete anschließend in eine angeregte Diskussion. Viele der Künstlerinnen bedauerten, dass Quilt-Art von den meisten Vertretern der Kunstwissenschaft noch immer nicht die Anerkennung erhalte, die sie verdiene. Ob und wie sich die Aufmerksamkeit von Experten und Galeristen künftig stärker auf die Kunstform Quilt werde lenken lasse, bleibe abzuwarten, so der eher skeptische Teno. Einig waren sie sich die Anwesenden auch in der Auffassung, dass die von Gisela Hafer und Barbara Benedix organisierte Schau einen wichtigen Beitrag geleistet habe, damit die Öffentlichkeit mit jener Kunstform künftig intensiver auf Tuchfühlung gehen kann.

Ebenfalls am vergangenen Wochenende gab Liisa Penttinen einen Workshop, der in die Kunst des Filzens einführte. Im Rahmen eines Austauschprogramms war die finnische Künstlerin nach Kleinsassen gekommen, wo sie in der an das Ausstellungshaus angeschlossenen Werkstatt Interessierten Anleitung zum kreativen Umgang mit Wolle, Wasser und Seife gab. Wer wollte, der konnte die Wandteppiche, Hüte, Taschen Hand- und Hausschuhe aus Filz bewundern, die mit großer Kreativität gefertigt worden waren.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 2. Mai 2001.


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