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"Massenvernissage" in Kleinsassen
Hofbieber-Kleinsassen.
Mit einer ungewohnten "Massenvernissage" von rund 900
Besuchern wurde in der Kunststation Kleinsassen die Ausstellung
"Weg zum Bild" von zwölf Kunstschülern
eröffnet. Dichtes Gedränge herrschte in sämtlichen
Sälen. Die bis zum 11. Februar laufende Präsentation macht
mit didaktischen Zielen und talentierten Ergebnissen technischer
Grundlagen für positiv zu verstehende "akademische
Malerei" vertraut.
Der jugoslawische Künstler und Hochschulprofessor (bis 1992 an
der Kunstakademie Sarajevo) Milvoje Unkovic hat bereits mehrere
Semester lang mit den osthessischen Kunstschülern
gründlich gearbeitet. Unter seiner Anleitung schufen sie die
ausgestellten Mappenwerke, die zur Vorlage bei Vorprüfungen zur
Aufnahme an Kunstakademien dienen sollen.
Von Serien von Aktzeichnungen über Farbkompositionen, von
"choreographisch" und "tektonisch"
eingerichteten Stillleben bis zu ersten Vorstößen in
impressionistische oder auch expressionistische Darstellungsweisen
erstrecken sich die experimentierfreudigen Darstellungen der
künftigen Fuldaer Kunststudenten an Kunstakademien. Die
Teilnehmer der Vorbereitungskurse (Sebastian Ehrenberger, Ortrud
Jahnel, Anette Kramer, Alexandra Krstevska-Niessner, Elisabeth
Oczkowski, Eva Rausch, Christoph Schrein, Fatima Stadtnick-Schramm,
Aylin Ucar, Selda Ucar, Victoria Wahl und Sabrina Wendzinski) haben
viel Fantasie walten lassen und haben zugleich akuraten
Ausbildungsrichtlinien entsprochen. Ein Rundgang durch die
umfangreiche Ausstellung in mehreren Sälen überrascht mit
akribisch genauen Torsodarstellungen oder stilistisch
"verfremdeten" Aktzeichnungen, mit "kubisch"
konstruierten Stillleben oder auch mit "klassischen"
Nachempfindungen von hellenistischen Büsten oder
Pharaonenköpfen.
Da die VHS-Kunststation Kleinsassen offenbar häufig nach dem
vielseitigen "Gesamtkunstwerk" oder der
"wechselseitigen Erhellung der Künste" (Wölflin)
strebt, wurde die Vernissage auch musikalisch umrahmt von englischen
Liedvorträgen der Pianistin Susan-Anette Ries und Elisabeth
Oczkowski als Sängerin. Die Darbietungen wurden zu einer
einfühlsamen Studie britischer Liedkunst mit poetischer
Empfindsamkeit. Der Leiter der Volkshochschule des Kreises Fulda,
Peter Ballmaier, erläuterte seinen berufsaltersbedingten
schrittweisen Rückzug aus der Kunststation des Malerdorfes und
stellte als seine bereits seit einiger Zeit erfolgreich
eingearbeitete Nachfolgerin in der Leitung der Kunststation, die
Kunsthistorikerin Dr. Marion Feld, vor. Ballmaier würdigte auch
die nun schon langjährige Mitarbeit von Professor Milvoje
Unkovic an der VHS-Kunststation. Unkovic lebt seit acht Jahren in
Hünfeld. Der Leiter der Volkshochschule begrüßte
ferner Geistlichen Rat Pfarrer Brähler und hob die "gute
Allianz zwischen Kirche und Kunst" im Malerdorf Kleinsassen hervor.
Zu einem anschaulichen und zugleich in die Tiefe des
Kunstverständnisses eindringenden "Proseminar"
über didaktische Aufbau- und Entwicklungsstufen der Malerei mit
akademischer Ausbildung wurde ein Referat, das die Kunsthistorikerin
Dr. Marion Feld hielt. Sie räumte mit gewissen Vorurteilen
gegen "akademische" Malerei auf, indem sie die
hervorragende "handwerkliche" Ausbildung klassischer
Künstler hervorhob. Die Kunsthistorikerin erläuterte die
kunstdidaktischen Ziele des Kurses von Professor Unkovic und umriss
die Arbeitspläne künftiger Ausbildung und
Ausstellungsaktivitäten an der Kunststation Kleinsassen.
Helmut Maaß
(Fuldaer Zeitung vom 16. Januar 2001)
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