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Die Schau der Stipendiaten wurde eröffnet: Andreas Ensslen und Jana Schwarz stellen in der Kunststation Kleinsassen aus
Bilder mit eigenwilliger Handschrift
Hofbieber-Kleinsassen.
Seit Frühling dieses Jahres haben Jana Schwarz und Andreas Ensslen in
der Kunststation Kleinsassen kreativ gearbeitet. Nun stellen die Stipendiaten
des Landkreises im Präsentationshaus am Fuße der Milseburg eine
Auswahl an Grafik und Malerei aus.
"Als Kurator hat man es nicht leicht", sagte Professor Sighard Gille
aus Leipzig während der Vernissage. Er hatte die Stipendiaten seinerzeit
aus 250 Bewerbern ausgewählt. Nach einem ersten Rundgang zog er ein
positives Fazit: "Ich bereue nicht, dass ich die beiden ausgesucht habe."
Einheit von Kunst und Leben
In Halle zwei, wo die Bilder von Jana Schwarz zu sehen sind, erzählte
die Kunstwissenschaftlerin Dr. Ina Gille, dass sie die 34-jährige
Künstlerin 1989 auf einer Beuys-Ausstellung kennengelernt habe und
von einer Grafik der Studentin beeindruckt gewesen sei: "Ihr Diplom
ein Jahr später war eine Glanzleistung." Dr. Gille berichtete
von der Prüfung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, bei
der Jana Schwarz den Professoren als selbstbewußte Frau
entgegengetreten sei, für die es keine Trennung von Malerei und Leben
gab. Jene "schutz- und rücksichtslose Einheit von privatem
Erleben und Kunst" mache auch heute die Künstlerpersönlichkeit
der ehemaligen Meisterschülerin von Professor Sighard Gille aus. Mit
der Kunst ordne sie das Chaos, das ihr Leben immer wieder aufs Neue zu
produzieren scheine. Ihre Malerei bestehe nicht aus ästhetischen
Girlanden, sei kein Muster schmückender Noblesse. Im Gegenteil:
Sie ordne Erlebtes und Durchlebtes, verwandle es in Kunst, was für
sie Formfindung bedeute. "In diesen Werken kann sie sich wiedererkennen,
als Mensch und als Künstlerin, und auch wir haben die Chance, uns
wiederzufinden", sagte Gille. Schwarz sei inzwischen reifer geworden,
doch ihre Unbedingtheit der Kunst gegenüber und ihr hoher Anspruch seien geblieben.
Mit den Spiegelungen und Brechungen, Netzen und Rastern, Reihungen und
Wiederholungen in ihren Bildern, habe sie verschiedene Möglichkeiten
gefunden, Ordnung, Übersicht und Klarheit zu gewinnen. "Sie steht
mitten in ihrem Werk, das unverwechselbar eigenständig ist, geprägt
von spröd-sinnlicher Farbigkeit und herber Poesie", sagte Gille.
Jana Schwarz selbst beschränkte sich auf ein schlichtes:
"So, das war's."
Dann schloss sich die Vernissage von Andreas Ensslen an, die sehr
unkonventionell verlief. "Das, was Sie jetzt hören, ist kein Vortrag,
sondern eine Ansprache nach Kaufhausart", sagte Ensslens ehemaliger
Studienkollege Michael Strauch. Er hatte auf einem Podest einen Laptop
aufgebaut und zwei Boxen angeschlossen. Die Besucher konnten so ein
Programm mit Bild- und Textfolgen miterleben, zu dem Strauch einen
eigenwilligen Begleittext zum Besten gab: Er wandelte einen
alchemistischen Text aus dem 12. Jahrhundert ab, den er so lange
verfremdete, bis er auf das Thema Kunst und Linie passte. Und während die
Grafiken von Ensslen über den Bildschirm flimmerten, unterhielt Strauch mit
seiner "'pata alchemistischen Betrachtung". Dem Publikum gefiel es. Und
Andreas Ensslen dankte seinem Freund und Studienkollegen.
Ensslen wurde 1962 in Müchen geboren, gründete 1991 die Performance-Gruppe
und Galerie "Caduata Sassi" und schloss ein Jahr später sein Studium
an der Akademie der bildenden Kunst in München ab. 1998 erhielt er das Stipendium
der Villa Massimo in Rom und ist seit 1999 Stipendiat der Kunststation Kleinsassen.
Erfahrungen auf Papier
Wie Tagebuchnotizen wirken seine Aufzeichnungen, die der jeweilige Titel
und das Datum der Entstehung begleiten. "Ich habe Erfahrungen, die ich
im Zwiegespräch mit mir selbst gesammelt habe, auf Papier gebracht",
sagt Ensslen über die Blätter, die vornehmlich abends und nachts
entstanden sind. Der Künstler vergleicht seine Art des Herangehens
mit dem Schreiben: "Ich brauche einen Bleistift und ein weißes
Blatt!" Neben grafischen Arbeiten sind auch großformatige
Ölbilder auf Leinwand zu sehen. Wer die beiden Ausstellungen, zu
denen jeweils ein Katalog erschienen ist, besuchen möchte, dem steht
die Kunststation dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr offen.
Klaus H. Orth
(Fuldaer Zeitung vom 27. Oktober 1999)
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