Zurück   Startseite   Druckversion 27. Oktober 1999

Die Schau der Stipendiaten wurde eröffnet: Andreas Ensslen und Jana Schwarz stellen in der Kunststation Kleinsassen aus

Bilder mit eigenwilliger Handschrift


Hofbieber-Kleinsassen. Seit Frühling dieses Jahres haben Jana Schwarz und Andreas Ensslen in der Kunststation Kleinsassen kreativ gearbeitet. Nun stellen die Stipendiaten des Landkreises im Präsentationshaus am Fuße der Milseburg eine Auswahl an Grafik und Malerei aus.

"Als Kurator hat man es nicht leicht", sagte Professor Sighard Gille aus Leipzig während der Vernissage. Er hatte die Stipendiaten seinerzeit aus 250 Bewerbern ausgewählt. Nach einem ersten Rundgang zog er ein positives Fazit: "Ich bereue nicht, dass ich die beiden ausgesucht habe."

Einheit von Kunst und Leben

In Halle zwei, wo die Bilder von Jana Schwarz zu sehen sind, erzählte die Kunstwissenschaftlerin Dr. Ina Gille, dass sie die 34-jährige Künstlerin 1989 auf einer Beuys-Ausstellung kennengelernt habe und von einer Grafik der Studentin beeindruckt gewesen sei: "Ihr Diplom ein Jahr später war eine Glanzleistung." Dr. Gille berichtete von der Prüfung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, bei der Jana Schwarz den Professoren als selbstbewußte Frau entgegengetreten sei, für die es keine Trennung von Malerei und Leben gab. Jene "schutz- und rücksichtslose Einheit von privatem Erleben und Kunst" mache auch heute die Künstlerpersönlichkeit der ehemaligen Meisterschülerin von Professor Sighard Gille aus. Mit der Kunst ordne sie das Chaos, das ihr Leben immer wieder aufs Neue zu produzieren scheine. Ihre Malerei bestehe nicht aus ästhetischen Girlanden, sei kein Muster schmückender Noblesse. Im Gegenteil: Sie ordne Erlebtes und Durchlebtes, verwandle es in Kunst, was für sie Formfindung bedeute. "In diesen Werken kann sie sich wiedererkennen, als Mensch und als Künstlerin, und auch wir haben die Chance, uns wiederzufinden", sagte Gille. Schwarz sei inzwischen reifer geworden, doch ihre Unbedingtheit der Kunst gegenüber und ihr hoher Anspruch seien geblieben. Mit den Spiegelungen und Brechungen, Netzen und Rastern, Reihungen und Wiederholungen in ihren Bildern, habe sie verschiedene Möglichkeiten gefunden, Ordnung, Übersicht und Klarheit zu gewinnen. "Sie steht mitten in ihrem Werk, das unverwechselbar eigenständig ist, geprägt von spröd-sinnlicher Farbigkeit und herber Poesie", sagte Gille. Jana Schwarz selbst beschränkte sich auf ein schlichtes: "So, das war's."

Dann schloss sich die Vernissage von Andreas Ensslen an, die sehr unkonventionell verlief. "Das, was Sie jetzt hören, ist kein Vortrag, sondern eine Ansprache nach Kaufhausart", sagte Ensslens ehemaliger Studienkollege Michael Strauch. Er hatte auf einem Podest einen Laptop aufgebaut und zwei Boxen angeschlossen. Die Besucher konnten so ein Programm mit Bild- und Textfolgen miterleben, zu dem Strauch einen eigenwilligen Begleittext zum Besten gab: Er wandelte einen alchemistischen Text aus dem 12. Jahrhundert ab, den er so lange verfremdete, bis er auf das Thema Kunst und Linie passte. Und während die Grafiken von Ensslen über den Bildschirm flimmerten, unterhielt Strauch mit seiner "'pata alchemistischen Betrachtung". Dem Publikum gefiel es. Und Andreas Ensslen dankte seinem Freund und Studienkollegen.

Ensslen wurde 1962 in Müchen geboren, gründete 1991 die Performance-Gruppe und Galerie "Caduata Sassi" und schloss ein Jahr später sein Studium an der Akademie der bildenden Kunst in München ab. 1998 erhielt er das Stipendium der Villa Massimo in Rom und ist seit 1999 Stipendiat der Kunststation Kleinsassen.

Erfahrungen auf Papier

Wie Tagebuchnotizen wirken seine Aufzeichnungen, die der jeweilige Titel und das Datum der Entstehung begleiten. "Ich habe Erfahrungen, die ich im Zwiegespräch mit mir selbst gesammelt habe, auf Papier gebracht", sagt Ensslen über die Blätter, die vornehmlich abends und nachts entstanden sind. Der Künstler vergleicht seine Art des Herangehens mit dem Schreiben: "Ich brauche einen Bleistift und ein weißes Blatt!" Neben grafischen Arbeiten sind auch großformatige Ölbilder auf Leinwand zu sehen. Wer die beiden Ausstellungen, zu denen jeweils ein Katalog erschienen ist, besuchen möchte, dem steht die Kunststation dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr offen.

Klaus H. Orth
(Fuldaer Zeitung vom 27. Oktober 1999)


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