Zurück   Startseite   Druckversion 26. Oktober 1999

Die Dreidimensionalität des Raumes

Hofbieber-Kleinsassen. Die Errungenschaften moderner Technik sind auch an der bildenden Kunst nicht spurlos vorüber gegangen. Der Computer hat in den Bereichen Malerei und Grafik längst Einzug gehalten. Ein Künstler, der sich das "neue" Medium zu eigen gemacht hat, ist Yoichiro Nishida. Die Kunststation Kleinsassen zeigt seit Sonntag Computerprints des Japaners auf Leinwand und Aquarellpapier.

Als Vertreter der Volkshochschule des Landkreises hieß Dr. Wilhelm Mons die Gäste der Vernissage willkommen und überbrachte die Grüße von Landrat Fritz Kramer und Peter Ballmaier, dem Leiter der Kunststation.

Elmar Hegmann, Leiter des Jungen Kunstkreises Hünfeld, ging auf Leben und Werk von Yoichiro Nishida ein. 1948 wurde der Künstler in Ishikawa geboren. Seit 1982 lebt er in Kassel, wo er bis 1988 an der Gesamthochschule ein Studium im Bereich der freien Kunst absolvierte. Seither ist er als freischaffender Künstler tätig. Durch Ausstellungen im In- und Ausland sowie durch diverse Auszeichnungen hat sich Nishida international einen Namen gemacht. Seit den 80er Jahren hält er Kontakt zur Kunststation. Heute lebt und arbeitet der Künstler in Kassel, Tokio und Paris. Ein Aufenthalt 1989 in Nepal und Indien habe für ihn Selbsterfahrung und Neubestimmung bedeutet. Der Maler habe ihn genutzt, um künstlerische Impulse zu erhalten und in Arbeiten umzusetzen. In jener Zeit habe er eine neue innere Räumlichkeit erfahren.

"Der Raum und die Auseinandersetzung damit ist ein permanentes Anliegen in den Werken von Nishida" sagte Hegmann. Immer wieder versuche er in Variationen, die Dreidimensionalität des Raumes auf den zweidimensionalen Malgrund zu transportieren und eine Projektion des Raumes auf die Fläche zu erzielen. Habe er das früher mit Malerei und Zeichnung umgesetzt, so arbeite er seit drei Jahren gezielt mit dem Computer und einem mathematischen Programm, das er selbst gestalten kann. "Geometrische Formen gibt er direkt als Zahlenwerte ein, lässt sie dann durch den Computer berechnen." Das, was so spontan aussehe, sei Produkt mathematischer Überlegungen. Hier zeige sich Nishidas Anliegen: das Grundmuster der vielfältigen Natur zu erfassen, es in mathematisch-geometrische Formeln zu übersetzen, um sie dann in künstlerische Formen zu transportieren.

Drei Themenkreise - so Hegmann - lassen sich herausfiltern: geometrische Gebilde, die er in fast surreale Räume umsetze und denen er Formen aus der Natur zuschreibe, Naturansichten, für die eigene Fotos von Waldlandschaften, Parks und Gebirgen die Grundlage bildeten, und figürliche Motive, mit denen er experimentiere. Alle Bildinhalte weckten durch gewollte Irritationen das Interesse des Betrachters, regten so zur Reflexion an. Die Natur werde von Nishida wie eine Projektion auf einer Leinwand in einen imaginären Raum versetzt. Regelmäßig positionierte Prismen widersprechen den Lichtreflexionen und Brechungen jeglicher Naturgesetze, indem der Künstler die verschiedensten Winkel einprogrammiere - ein Stilmittel, das wiederum zu Verwirrung führe. Nishidas Prismen und Projektionsflächen wirkten wie Filter, die selektieren, aber auch verzerren. In anderen Bildern bringe der Künstler Bäume auf ihre geometrischen Grundformen und setze sie zu bühnenartig gestalteten konstruktivistischen Elementen in Kontrast. Hegmann wünschte den Besuchern "eine reflexionsreiche Zeit beim Betrachten der Bilder". Bis zum 9. Januar ist die Schau in der Kunststation täglich - außer montags - von 14 bis 18 Uhr zu sehen.

Klaus H. Orth
(Fuldaer Zeitung vom 26. Oktober 1999)


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