Ausstellung vom 21.2. bis 18.4. in der Kunststation Kleinsassen
Realismus mit vielen Facetten
Unter den deutschen Grafikern zählen
sie zur ersten Garde: Wolfgang Werkmeister, Friedrich Meckseper und Malte
Sartorius präsentieren unter dem Titel "Drei Meister der Radierung"
in der Kunststation Kleinsassen ihre Arbeiten.
Zur Vernissage begrüßte Peter
Ballmaier, Leiter des Präsentationshauses, den aus Braunschweig angereisten
Sartorius und betonte: "Die Kunststation wird 20 Jahre alt." Deshalb warte
1999 ein großes Veranstaltungsprogramm auf die Besucher, zu dem die
aktuelle Schau den Auftakt bilde. Kunsthistorikerin Dr. Marion Feld betonte
in bezug auf die drei "Alt"-Meister der Grafik: "Sie kennen und schätzen
zwar einander, haben jedoch noch nie gemeinsam ausgestellt." Erst über
die Göttinger Galerie Apex sei die Ausstellung zustande gekommen.
Die Werkzyklen "Hamburg" und "Westküste"
geben - so Dr. Feld - einen Einblick in die Grundhaltungen von Wolfgang
Werkmeister, der in seinen naturalistisch - realistischen Bildern vornehmlich
die heimische Umgebung, aktuelle Thematiken oder Banales zum Darstellungsgegenstand
mache. Das schließe die Beobachtung des allzu Alltäglichen und
des Häßlichen mit ein. "Durch diese Auswahl eher zufälliger,
einfacher und unschöner Motive wird dem Betrachter ermöglicht,
neben der vordergründigen und leicht zu erschließenden gesellschaftskritischen
Haltung vor allem den Aspekt der ausgefeilten grafischen Techniken zu erfassen",
sagte die Referentin.
In den Arbeiten von Friedrich Meckseper
stehen nach Aussage Dr. Felds häufig "die großen umgebenden
Flächen in Frottagetechnik oder Aquatinta konstrastierend neben den
detailliert ausgearbeiteten gegenständlichen Formen in traditioneller
Radiertechnik." Dadurch entstehe eine reizvolle Spannung zwischen Form
und Fläche, Fülle und Leere, die der Komposition oft einen surrealen
Charakter verleihen: So verewige Meckseper den Augenblick, halte das Vorübergehende
fest, suche einen Ausdruck für das Symbolische, Magische oder Phantastische
eines spezifischen Gegenstandes. Kugeln, Labyrinthe oder kryptische Zahlen,
Zeichen oder Koordinaten, die häufig wiederkehren, vermitteln laut
Dr. Feld "einen Eindruck von konkreter Wissenschaftlichkeit und zugleich
großer, geheimnisvoller Bedeutung."
"Malte Sartorius betrachtet und
beobachtet die Natur mit dem sezierenden Blick eines Forschers, mit einer
Detailbesessenheit, hinter der man die Suche nach einer übergeordneten
Größe oder einer allgemeinverbindlichen Gesetzmäßigkeit
vermutet", beschrieb Dr. Feld die Herangehensweise des dritten Künstlers.
Zwar schildere dieser die Umwelt, jedoch trete der reale Bildgegenstand
in seiner Individualität zurück und drücke eher einen allgemeinen
Zustand aus: zufällige Alltagsausschnitte des einfachen Lebens, die
gewöhnliche Landschaft, das sich aus banalen Elementen ergebende Stilleben.
"Dies läßt selbst das Fremde als etwas Vertrautes erscheinen",
erklärte die Kunsthistorikerin. Zeichnerische Akribie und die Tendenz,
alles in gleicher Nahsicht und Schärfe wiederzugeben, kennzeichne
die Blätter, wodurch ein abstraktes Gewirr an Reizen entstehe, das
es vom Betrachter zu verarbeiten gelte.
Wenngleich den "Drei Meistern der Radierung"
der Realismus als Stilrichtung gemein sei, so machten die Arbeiten noch
deutlich, daß "durch den individuellen Einsatz der grafischen Techniken
und Mittel eine vielfältige, regelrecht divergierende und zwischen
lyrischem Naturalismus, kühler Sachlichkeit, dramatischem Realismus
und phantastischem Surrealismus changierende Wirkung zu erzielen ist",
schloß Dr. Feld.
Erster Kreisbeigeordneter Gerhard Möller
freute sich über die große Besucherresonanz und eröffnete
die Schau. Am Flügel musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von
Maja und Sergej Zirkunow.
Klaus H. Orth
Beitrag aus der Fuldaer Zeitung vom 23. Februar 1999
Öffnungszeiten der Kunststation Kleinsassen: dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung. Weitere Informationen unter Telefon (0 66 57) 80 02.
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