Zurück   Startseite   Druckversion 23. Februar 1999
Ausstellung vom 21.2. bis 18.4. in der Kunststation Kleinsassen

Realismus mit vielen Facetten

Unter den deutschen Grafikern zählen sie zur ersten Garde: Wolfgang Werkmeister, Friedrich Meckseper und Malte Sartorius präsentieren unter dem Titel "Drei Meister der Radierung" in der Kunststation Kleinsassen ihre Arbeiten.

Zur Vernissage begrüßte Peter Ballmaier, Leiter des Präsentationshauses, den aus Braunschweig angereisten Sartorius und betonte: "Die Kunststation wird 20 Jahre alt." Deshalb warte 1999 ein großes Veranstaltungsprogramm auf die Besucher, zu dem die aktuelle Schau den Auftakt bilde. Kunsthistorikerin Dr. Marion Feld betonte in bezug auf die drei "Alt"-Meister der Grafik: "Sie kennen und schätzen zwar einander, haben jedoch noch nie gemeinsam ausgestellt." Erst über die Göttinger Galerie Apex sei die Ausstellung zustande gekommen.

Die Werkzyklen "Hamburg" und "Westküste" geben - so Dr. Feld - einen Einblick in die Grundhaltungen von Wolfgang Werkmeister, der in seinen naturalistisch - realistischen Bildern vornehmlich die heimische Umgebung, aktuelle Thematiken oder Banales zum Darstellungsgegenstand mache. Das schließe die Beobachtung des allzu Alltäglichen und des Häßlichen mit ein. "Durch diese Auswahl eher zufälliger, einfacher und unschöner Motive wird dem Betrachter ermöglicht, neben der vordergründigen und leicht zu erschließenden gesellschaftskritischen Haltung vor allem den Aspekt der ausgefeilten grafischen Techniken zu erfassen", sagte die Referentin.

In den Arbeiten von Friedrich Meckseper stehen nach Aussage Dr. Felds häufig "die großen umgebenden Flächen in Frottagetechnik oder Aquatinta konstrastierend neben den detailliert ausgearbeiteten gegenständlichen Formen in traditioneller Radiertechnik." Dadurch entstehe eine reizvolle Spannung zwischen Form und Fläche, Fülle und Leere, die der Komposition oft einen surrealen Charakter verleihen: So verewige Meckseper den Augenblick, halte das Vorübergehende fest, suche einen Ausdruck für das Symbolische, Magische oder Phantastische eines spezifischen Gegenstandes. Kugeln, Labyrinthe oder kryptische Zahlen, Zeichen oder Koordinaten, die häufig wiederkehren, vermitteln laut Dr. Feld "einen Eindruck von konkreter Wissenschaftlichkeit und zugleich großer, geheimnisvoller Bedeutung."

"Malte Sartorius betrachtet und beobachtet die Natur mit dem sezierenden Blick eines Forschers, mit einer Detailbesessenheit, hinter der man die Suche nach einer übergeordneten Größe oder einer allgemeinverbindlichen Gesetzmäßigkeit vermutet", beschrieb Dr. Feld die Herangehensweise des dritten Künstlers. Zwar schildere dieser die Umwelt, jedoch trete der reale Bildgegenstand in seiner Individualität zurück und drücke eher einen allgemeinen Zustand aus: zufällige Alltagsausschnitte des einfachen Lebens, die gewöhnliche Landschaft, das sich aus banalen Elementen ergebende Stilleben. "Dies läßt selbst das Fremde als etwas Vertrautes erscheinen", erklärte die Kunsthistorikerin. Zeichnerische Akribie und die Tendenz, alles in gleicher Nahsicht und Schärfe wiederzugeben, kennzeichne die Blätter, wodurch ein abstraktes Gewirr an Reizen entstehe, das es vom Betrachter zu verarbeiten gelte.

Wenngleich den "Drei Meistern der Radierung" der Realismus als Stilrichtung gemein sei, so machten die Arbeiten noch deutlich, daß "durch den individuellen Einsatz der grafischen Techniken und Mittel eine vielfältige, regelrecht divergierende und zwischen lyrischem Naturalismus, kühler Sachlichkeit, dramatischem Realismus und phantastischem Surrealismus changierende Wirkung zu erzielen ist", schloß Dr. Feld.

Erster Kreisbeigeordneter Gerhard Möller freute sich über die große Besucherresonanz und eröffnete die Schau. Am Flügel musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Maja und Sergej Zirkunow.

Klaus H. Orth
Beitrag aus der Fuldaer Zeitung vom 23. Februar 1999

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