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"Goya de Lörincz" in der Kunststation / Peter Lörincz und seine Auseinandersetzung mit dem spanischen Maler / Goyas "Caprichos" als Leihgabe aus Castres
"In diesen Bildern ist Goyas Geist lebendig"
Hofbieber-Kleinsassen.
Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828) gehört zu den
bedeutendsten Malern Spaniens. Zu den Werken, die den Ruhm des Künstlers
bereits zu seinen Lebzeiten begründeten, zählen seine
"Caprichos". Jene Folge von 80 Radierungen, die Goya Ende des 18.
Jahrhunderts schuf, thematisiert die Welt des Traums und des Abgründigen.
Es sind Blätter, die auf den heutigen Betrachter immer noch eine
große Faszination ausüben - auch auf den Maler Peter Lörincz,
der sich mit Goya und seinem Werk intensiv auseinander gesetzt hat. Die
Kunststation Kleinsassen präsentiert seit Sonntag unter dem Titel
"Goya de Lörincz" Original-Blätter der "Los
Caprichos"-Reihe gemeinsam mit Gouachen, Zeichnungen und Radierungen von
Lörincz.
Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der
Association Plaisir et Culture in Montpellier und dem Museé Goya in
Castres, das die kostbaren Originalradierungen als Leihgabe zur Verfügung
gestellt hat, wie Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation, in seiner
Begrüßung betonte.
Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von
Professor Frank Bungarten. Auf der Gitarre brachte er fünf der "24
Caprichos de Goya" aus der Feder des Komponisten Mario Castelnuovo-Tedesco
zu Gehör, die sich auf einzelne Blätter des Malers beziehen und die
jeweilige Stimmung des Bildes einzufangen suchen.
"Präzise und populär"
Stanislav Demidjuk, Direktor der Association Plaisir et Culture in Montpellier,
der eigens zur Ausstellungseröffnung nach Kleinsassen gekommen war, nannte
Peter Lörincz einen Freund und Kollegen. "Seine Kunst ist
verständlich, technisch sehr präzise und populär", sagte
Demidjuk über den Maler, dem er vor 14 Jahren beim Baguette-Kauf in Montpellier
das erste Mal begegnet sei. Nach einem Besuch im Atelier und aus der Faszination
für die Bilder Lörincz heraus organisierte er die erste Ausstellung,
der bislang über 50 weitere gefolgt sind. Bei seinen
Südfrankreich-Aufenthalten habe Lörincz stets junge Studentinnen und
Studenten mitgebracht, so dass sich in den letzten zehn Jahren ein intensiver
deutsch-französischer Kontakt entwickelt habe, der mit dieser Ausstellung
nun weiter intensiviert werde.
Die Fuldaer Kunsthistorikerin Dr. Marion Feld ging auf Leben und Werk von
Lörincz ein, der 1938 in Berlin geboren wurde und nach seinem Studium der
Kunst- und Werkerziehung als Kunsterzieher tätig war. 1979 wurde er
Professor für Grafik im Fachbereich Bildende Kunst der Mainzer
Johannes-Gutenberg-Universität. Nationale und internationale Ausstellungen
dokumentieren sein Schaffen, wobei die Auseinandersetzung mit
Südfrankreich, den Kathedralen und Landschaften einen wesentlichen Teil des
Werkes ausmache. Vom Goya-Museum in Castres sei Lörincz eingeladen worden,
sich mit dem spanischen Maler zu beschäftigen, um die Bedeutung seines
Werkes in der Jetzt-Zeit zu verdeutlichen.
Auf den Spuren des Malers
Ein zweijähriges Reisestipendium habe es dem Mainzer Professor möglich
gemacht, Goya an die ehemaligen Stätten seines Schaffens zu folgen, sein
Werk und seinen Malstil zu studieren, Skizzen von Figuren, Straßen und
Gebäuden zu fertigen und später daraus eigene Arbeiten zu kreieren. In
ihnen vermischen sich die Bildwelten Goyas mit Erscheinungen der Gegenwart: Hier
ist Goyas Konterfei auf der Mattscheibe eines Fernsehapparates zu sehen, dort
schlürft der Maler auf dem Plakat eines amerikanischen Limonadenherstellers
in den Straßen von Saragossa "Coca-Goya". Gestern und Heute treten in
Dialog miteinander.
Wie Dr. Feld betonte, habe Lörincz bestimmte Motive wie
Selbstporträts, Stierabbildungen oder Architekturausschnitte isoliert und
immer wieder in einen neuen inhaltlichen Zusammenhang gesetzt. "In diesen
Bildern ist der Geist Goyas lebendig", sagte die Kunsthistorikerin und
betonte, dass die Werke von Lörincz und Goya sowohl von Humor als auch von
Sozialkritik gekennzeichnet seien.
Besonderen Dank zollte sie Jean-Louis Augé, dem Direktor der
Museés Goya et Jaurés in Castres, der Goyas "Caprichos"
nach Kleinsassen entliehen hatte. Dort erlauben sie nun den direkten Vergleich
zwischen dem Original und der zeitgemäßen Umsetzung durch den Mainzer
Maler.
Lörincz verzichtete auf eine Rede. Landrat Fritz Kramer fasste sich in
seiner Ansprache kurz: "Nachdem der Künstler schweigt, weil seine
Werke sprechen, bin ich überzeugt, dass sie sich nun mit Muse den Arbeiten
Peter Lörincz widmen sollten. Ich schweige. Die Ausstellung ist
eröffnet."
Bis zum 17. Oktober besteht täglich außer montags von 14 bis 18 Uhr
die Möglichkeit, Goya zu begegnen. Die Schau "Goya de
Lörincz" begleitet ein Katalog (30 Mark, 15,34 Euro)
Klaus H. Orth
(Fuldaer Zeitung vom 24. August 1999)
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