Zurück   Startseite   Druckversion 24. August 1999

"Goya de Lörincz" in der Kunststation / Peter Lörincz und seine Auseinandersetzung mit dem spanischen Maler / Goyas "Caprichos" als Leihgabe aus Castres

"In diesen Bildern ist Goyas Geist lebendig"

Hofbieber-Kleinsassen. Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828) gehört zu den bedeutendsten Malern Spaniens. Zu den Werken, die den Ruhm des Künstlers bereits zu seinen Lebzeiten begründeten, zählen seine "Caprichos". Jene Folge von 80 Radierungen, die Goya Ende des 18. Jahrhunderts schuf, thematisiert die Welt des Traums und des Abgründigen. Es sind Blätter, die auf den heutigen Betrachter immer noch eine große Faszination ausüben - auch auf den Maler Peter Lörincz, der sich mit Goya und seinem Werk intensiv auseinander gesetzt hat. Die Kunststation Kleinsassen präsentiert seit Sonntag unter dem Titel "Goya de Lörincz" Original-Blätter der "Los Caprichos"-Reihe gemeinsam mit Gouachen, Zeichnungen und Radierungen von Lörincz.

Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Association Plaisir et Culture in Montpellier und dem Museé Goya in Castres, das die kostbaren Originalradierungen als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat, wie Peter Ballmaier, Leiter der Kunststation, in seiner Begrüßung betonte.

Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Professor Frank Bungarten. Auf der Gitarre brachte er fünf der "24 Caprichos de Goya" aus der Feder des Komponisten Mario Castelnuovo-Tedesco zu Gehör, die sich auf einzelne Blätter des Malers beziehen und die jeweilige Stimmung des Bildes einzufangen suchen.

"Präzise und populär"

Stanislav Demidjuk, Direktor der Association Plaisir et Culture in Montpellier, der eigens zur Ausstellungseröffnung nach Kleinsassen gekommen war, nannte Peter Lörincz einen Freund und Kollegen. "Seine Kunst ist verständlich, technisch sehr präzise und populär", sagte Demidjuk über den Maler, dem er vor 14 Jahren beim Baguette-Kauf in Montpellier das erste Mal begegnet sei. Nach einem Besuch im Atelier und aus der Faszination für die Bilder Lörincz heraus organisierte er die erste Ausstellung, der bislang über 50 weitere gefolgt sind. Bei seinen Südfrankreich-Aufenthalten habe Lörincz stets junge Studentinnen und Studenten mitgebracht, so dass sich in den letzten zehn Jahren ein intensiver deutsch-französischer Kontakt entwickelt habe, der mit dieser Ausstellung nun weiter intensiviert werde.

Die Fuldaer Kunsthistorikerin Dr. Marion Feld ging auf Leben und Werk von Lörincz ein, der 1938 in Berlin geboren wurde und nach seinem Studium der Kunst- und Werkerziehung als Kunsterzieher tätig war. 1979 wurde er Professor für Grafik im Fachbereich Bildende Kunst der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität. Nationale und internationale Ausstellungen dokumentieren sein Schaffen, wobei die Auseinandersetzung mit Südfrankreich, den Kathedralen und Landschaften einen wesentlichen Teil des Werkes ausmache. Vom Goya-Museum in Castres sei Lörincz eingeladen worden, sich mit dem spanischen Maler zu beschäftigen, um die Bedeutung seines Werkes in der Jetzt-Zeit zu verdeutlichen.

Auf den Spuren des Malers

Ein zweijähriges Reisestipendium habe es dem Mainzer Professor möglich gemacht, Goya an die ehemaligen Stätten seines Schaffens zu folgen, sein Werk und seinen Malstil zu studieren, Skizzen von Figuren, Straßen und Gebäuden zu fertigen und später daraus eigene Arbeiten zu kreieren. In ihnen vermischen sich die Bildwelten Goyas mit Erscheinungen der Gegenwart: Hier ist Goyas Konterfei auf der Mattscheibe eines Fernsehapparates zu sehen, dort schlürft der Maler auf dem Plakat eines amerikanischen Limonadenherstellers in den Straßen von Saragossa "Coca-Goya". Gestern und Heute treten in Dialog miteinander.

Wie Dr. Feld betonte, habe Lörincz bestimmte Motive wie Selbstporträts, Stierabbildungen oder Architekturausschnitte isoliert und immer wieder in einen neuen inhaltlichen Zusammenhang gesetzt. "In diesen Bildern ist der Geist Goyas lebendig", sagte die Kunsthistorikerin und betonte, dass die Werke von Lörincz und Goya sowohl von Humor als auch von Sozialkritik gekennzeichnet seien.

Besonderen Dank zollte sie Jean-Louis Augé, dem Direktor der Museés Goya et Jaurés in Castres, der Goyas "Caprichos" nach Kleinsassen entliehen hatte. Dort erlauben sie nun den direkten Vergleich zwischen dem Original und der zeitgemäßen Umsetzung durch den Mainzer Maler.

Lörincz verzichtete auf eine Rede. Landrat Fritz Kramer fasste sich in seiner Ansprache kurz: "Nachdem der Künstler schweigt, weil seine Werke sprechen, bin ich überzeugt, dass sie sich nun mit Muse den Arbeiten Peter Lörincz widmen sollten. Ich schweige. Die Ausstellung ist eröffnet."

Bis zum 17. Oktober besteht täglich außer montags von 14 bis 18 Uhr die Möglichkeit, Goya zu begegnen. Die Schau "Goya de Lörincz" begleitet ein Katalog (30 Mark, 15,34 Euro)

Klaus H. Orth
(Fuldaer Zeitung vom 24. August 1999)


Zurück   Seitenanfang
P. Klingebiel, Fulda

Freie Malschule
 30.10.2011 bis 04.03.2012
Mehr zur Ausstellung ...
FZ-Artikel zur Ausstellung
Fotos zur Ausstellung

Labyrinth der Mythen
 11.12.2011 bis 04.03.2012
Mehr zur Ausstellung ...
FZ-Artikel zur Ausstellung
Fotos zur Ausstellung

Café in der Kunststation
Geöffnet: dienstags - sonntags, 13 - 17 Uhr

Sparkasse Fulda

Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen

Ulenspiegel in der Kunststation Kleinsassen

Jahresprogramm

Öffnungszeiten der Kunststation:
dienstags - sonntags, 13 - 17 Uhr,

Jahresprogramm 2012
Seminarprogramm 2012

Weg zur Kunststation

Nachricht an die Kunststation
Kunsttelegramm der Kunststation

Ausstellungen 2012
Ausstellungen 2011

Die Gestaltung der Homepage basiert auf dem Flyer zur aktuellen Ausstellung
Im Labyrinth der Mythen.

Das Bild der Kunststation Kleinsassen auf der Startseite ist ein Ausschnitt eines Fotos des Fuldaer Fotografen Andre Druschel
(www.druschel-photography.de).