Zurück   Startseite   Druckversion 25. Juni 1999
Deutsch-Chinesisches Symposium Neues Aquarell

Die 12 Gäste aus China waren begeistert

Ein langfristiger Austausch wird angestrebt

Die Kommunikation zwischen Menschen, die unterschiedliche Sprachen sprechen, ist schwierig. Die Kunst kann eine Möglichkeit sein, Brücken zu bauen und Verständigungsprobleme zu überwinden. Das erlebten die Gäste aus Weifang und Jinan, die für eine Woche im Landkreis Fulda zu Gast waren und an dem "Deutsch-Chinesischen Symposium Aquarell" teilnahmen.

Gemeinsam mit internationalen Künstlern, deren Namen eng mit der Kunststation Kleinsassen verbunden sind, arbeiteten sie in der Heimvolkshochschule in der Burg Fürsteneck bei Eiterfeld im Rahmen eines Workshops drei Tage intensiv zusammen. Am Rande der Vernissage zur "1. Internationalen Biennale Neues Aquarell" zogen sowohl die chinesischen Gäste wie die Kreativen aus dem Kreis des Rhöner Präsentationshauses eine durchweg positive Bilanz.

Reinhold Weber, Zeichner und Illustrator aus Kassel, der ebenfalls wie Tina Schwichtenberg, Spasa Milasinovic und Predrag Hegedüs letztes Jahr in Weifang und Jinan bei dem Besuch der deutschen Delegation in China mit dabei waren, erinnert sich: "Ich habe die Gastfreundschaft damals sehr genossen und wurde mit ganz anderen Landschaften, Menschen und Kulturen konfrontiert." Gab es Verständigungsschwierigkeiten, so sei die Kunst stets Mittel gewesen, diese zu überwinden.

Diese Erfahrung nutzte Weber während des Workshops in der Heimvolksschule, um erst gar keine Sprachlosigkeit aufkommen zu lassen. So gab er anfangs Begriffe vor, die die Teilnehmer in Form von Zeichnungen und Aquarellen zu Papier brachten.

"Wir haben am ersten Tag Bäume gezeichnet und waren verblüfft über die unterschiedliche Sicht- und Darstellungsweise zwischen den Vertretern der westlichen und der chinesischen Kunst", erinnert sich der Maler Peter H. Blum. Der einstige Stipendiat des Landkreises Fulda hat das kreative Miteinander, das die Parallelen und Unterschiede zwischen den Kulturen erkennen ließ genossen und als Chance genutzt, alte Kontakte zu intensivieren und neue zu knüpfen.

Für Künstlerkollegin Spasa Milasinovic ging die gemeinsame Zeit zu schnell vorbei: "Die drei Tage waren viel zu kurz, um einander richtig kennenzulernen." Die Malerin, in deren Werk die figürlich Darstellung eine entscheidende Rolle einnimmt, war verblüfft, daß in der kreativen Auseinandersetzung in China die Landschaft stets an erster Stelle steht und die Darstellung von Menschen eine untergeordnete Rolle spielt - eine von vielen Beobachtungen, die sie als Erfahrung aus dem Symposium mitnimmt.

Milasinovic und den übrigen Teilnehmern ist an einer kontinuierlichen Zusammenarbeit gelegen. Und auch Bernhard S. T. Wolf, Stellvertretender Leiter des Hessischen Volkshochschulverbandes, und Günter Schmuck, Leiter der Hessischen HeimVolkshochschule Burg Fürsteneck verfolgen dieses Ziel. "Wir wollen einen langfristigen Austausch auf nicht-staatlicher Ebene", sagen die Volkshochschulvertreter und hoffen, daß die Kooperation zwischen Hessischem Volkshochschulverband, HeimVolkshochschule Burg Fürsteneck, Volkshochschule Berlin-Steglitz, Kunststation Kleinassen und den chinesischen Institutionen in Zukunft Bestand haben und sich zu einer regen kulturellen Partnerschaft entwickeln wird.

"Durch die Mitarbeit an der Biennale haben wir unsere Kooperation mit unseren deutschen Partnern intensiviert", bestätigt Professor Yang Songlin aus Jinan, der Direktor der Nationalen Künstlervereinigung Chinas. Und Wang Li Min aus Weifang, Vizepräsident der Organisation für den kulturellen Austausch mit fremden Ländern stimmt ihm zu. Denn, so sagt er richtig: "Sprache hat Grenzen, die Kunst hat keine."

Klaus H. Orth


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