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Dieter M. Weidenbach: "Wende - Reflexionen IV"
Kleinsassen. Bereits seit vielen Jahren stellt die Kunststation
Kleinsassen Künstler aus der ehemaligen DDR vor, in den letzten
Jahren beispielsweise Uwe Pfeifer aus Halle oder Horst Sakulowski
aus Weida in Thüringen. Hintergrund dieser "Wende - Reflexionen
IV" ist die Fragestellung, wie gesellschaftliche Prozesse
und Veränderungen sich in Werken bildender Künstler
widerspiegeln. Am 25. Oktober wird eine Präsentation mit
Schlüsselwerken des Weimarer Malers und Grafikers Dieter
M. Weidenbach eröffnet.
Die Ausstellung, zu der auch die erste große Werkmonografie
des Künstlers erscheint, präsentiert Werke aus der Zeit
von 1976 bis 1998. Die Arbeiten skizzieren beispielhaft einen
Lebensweg, der sich durch eine zerklüftete Gesellschaft schlängelt.
Assoziationen werden provoziert, Fragmente aneinandergereiht,
Irritationen sind gewollt: im nationalen wie globalen Spannungsfeld
von Untergang und Hoffnung.
Die Ausstellung zeigt auch Weidenbachs aktuellstes Werk - das
große Triptychon "Titanic, ein permanenter Untergang".
Als strukturellen Bildrahmen wählte der Künstler die
Form des mittelalterlichen Wandelaltares. Die Andeutung eines
maroden Inselrestes als Symbol eines Wertesystems korrespondiert
mit der sinkenden Titanic.
Der Künstler setzt mit seinem jüngsten Werk den Endpunkt
seiner Untergangsvisionen. In diesem Eingeständnis des Scheiterns
einer technischen Utopie verschmilzt Dieter Weidenbach zwei apokalyptische
Visionen und erhöht sie in erinnernder und zugleich mahnender
Weise durch die Form des Altares.
Der Malerpoet zelebriert die bildende Kunst wie auch die Literatur
als Formen einer bewußten Lebensbewältigung. Wie seinerzeit
Joseph von Eichendorff wehrt sich Weidenbach ständig gegen
normierende Einengungen und sehnt sich nach harmonischem und schöpferischem
Entfalten von Seele und Geist. Die literarische Figur des "Taugenichts"
aus dem 19. Jahrhundert, die trotz unstillbarer Musensehnsucht
zu tätigem Leben bereit und fähig ist, wählt der
Künstler zur mehr oder weniger bewußt gelebten Identifikationsfigur.
Die stilistisch unterschiedlichen Bilder von Dieter M. Weidenbach,
zu denen auch sensible Akte und Naturlandschaften gehören,
zeichnen sich als Spuren eines ruhelosen Unterwegssein zwischen
1976 und 1998 in der deutschen Kunstlandschaft ab. Brüche
sind unverkennbar. Brückenschläge verweisen auf Kontinuitäten.
Die Werke sind Zeugnis eng verwobener gesellschaftlicher und individueller
Entwicklungen, gewagter Grenzüberschreitungen und einer weiten
Spannbreite menschlicher Erfahrungen. Und in so manchen dieser
Wegezeichen schwingt etwas, das Rainer Maria Rilke so formulierte:
" ... denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du
mußt dein Leben ändern."
Die Ausstellung wird am 25. Oktober um 15 Uhr eröffnet.
| Dieter M. Weidenbach |
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Dieter M. Weidenbach wurde 1945 in Stendal geboren und studierte
fünf Jahre in Leipzig. Von 1971 bis 1980 arbeitete Weidenbach
freischaffend in Weißenfels. In den folgenden fünf
Jahren wählte der Künstler Weimar zu seiner Wirkungsstätte.
1985 mußte Weidenbach die ehemalige DDR verlassen und lebte
fortan in Berlin/West, unmittelbar an der Staatsgrenze, bevor
er seiner Sehnsucht folgte und Südfrankreich erlebte. Noch
immer auf der Suche nach Heimat, kehrte er 1993 wieder nach Weimar
zurück.
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| Aktuelle Ausstellungen |
| 1. 8. bis 20.9.1998 | Galerie ADA, Meiningen |
| 25.10 bis 10.1.1999 | Kunststation Kleinsassen |
| 25.1 bis 18.4.1999 | Dresdner Bank Filiale Weimar |
| 2. 5. bis 3.6.1999 | Museum Weißenfels, Weißenfels |
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