Zurück   Startseite   Druckversion 22. Oktober 1998

Dieter M. Weidenbach: "Wende - Reflexionen IV"

Kleinsassen. Bereits seit vielen Jahren stellt die Kunststation Kleinsassen Künstler aus der ehemaligen DDR vor, in den letzten Jahren beispielsweise Uwe Pfeifer aus Halle oder Horst Sakulowski aus Weida in Thüringen. Hintergrund dieser "Wende - Reflexionen IV" ist die Fragestellung, wie gesellschaftliche Prozesse und Veränderungen sich in Werken bildender Künstler widerspiegeln. Am 25. Oktober wird eine Präsentation mit Schlüsselwerken des Weimarer Malers und Grafikers Dieter M. Weidenbach eröffnet.

[Dieter M. Weidenbach: Titanic, Groesse 21.430 Byte] Die Ausstellung, zu der auch die erste große Werkmonografie des Künstlers erscheint, präsentiert Werke aus der Zeit von 1976 bis 1998. Die Arbeiten skizzieren beispielhaft einen Lebensweg, der sich durch eine zerklüftete Gesellschaft schlängelt. Assoziationen werden provoziert, Fragmente aneinandergereiht, Irritationen sind gewollt: im nationalen wie globalen Spannungsfeld von Untergang und Hoffnung.

Die Ausstellung zeigt auch Weidenbachs aktuellstes Werk - das große Triptychon "Titanic, ein permanenter Untergang". Als strukturellen Bildrahmen wählte der Künstler die Form des mittelalterlichen Wandelaltares. Die Andeutung eines maroden Inselrestes als Symbol eines Wertesystems korrespondiert mit der sinkenden Titanic.

Der Künstler setzt mit seinem jüngsten Werk den Endpunkt seiner Untergangsvisionen. In diesem Eingeständnis des Scheiterns einer technischen Utopie verschmilzt Dieter Weidenbach zwei apokalyptische Visionen und erhöht sie in erinnernder und zugleich mahnender Weise durch die Form des Altares.

[Dieter M. Weidenbach: Der Deutsche Reichstag, Groesse 14.260 Byte] Der Malerpoet zelebriert die bildende Kunst wie auch die Literatur als Formen einer bewußten Lebensbewältigung. Wie seinerzeit Joseph von Eichendorff wehrt sich Weidenbach ständig gegen normierende Einengungen und sehnt sich nach harmonischem und schöpferischem Entfalten von Seele und Geist. Die literarische Figur des "Taugenichts" aus dem 19. Jahrhundert, die trotz unstillbarer Musensehnsucht zu tätigem Leben bereit und fähig ist, wählt der Künstler zur mehr oder weniger bewußt gelebten Identifikationsfigur.

Die stilistisch unterschiedlichen Bilder von Dieter M. Weidenbach, zu denen auch sensible Akte und Naturlandschaften gehören, zeichnen sich als Spuren eines ruhelosen Unterwegssein zwischen 1976 und 1998 in der deutschen Kunstlandschaft ab. Brüche sind unverkennbar. Brückenschläge verweisen auf Kontinuitäten. Die Werke sind Zeugnis eng verwobener gesellschaftlicher und individueller Entwicklungen, gewagter Grenzüberschreitungen und einer weiten Spannbreite menschlicher Erfahrungen. Und in so manchen dieser Wegezeichen schwingt etwas, das Rainer Maria Rilke so formulierte: " ... denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern."

Die Ausstellung wird am 25. Oktober um 15 Uhr eröffnet.

Dieter M. Weidenbach
Dieter M. Weidenbach wurde 1945 in Stendal geboren und studierte fünf Jahre in Leipzig. Von 1971 bis 1980 arbeitete Weidenbach freischaffend in Weißenfels. In den folgenden fünf Jahren wählte der Künstler Weimar zu seiner Wirkungsstätte. 1985 mußte Weidenbach die ehemalige DDR verlassen und lebte fortan in Berlin/West, unmittelbar an der Staatsgrenze, bevor er seiner Sehnsucht folgte und Südfrankreich erlebte. Noch immer auf der Suche nach Heimat, kehrte er 1993 wieder nach Weimar zurück.

Aktuelle Ausstellungen
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